Sprache der Arbeit: Alles eine Frage des Humors?

Shownotes

„War doch nur Spaß.“ Wenn dieser Satz fällt, ist in den meisten Fällen gerade etwas passiert, das gar nicht lustig war. Was hinter der Floskel steckt und wie wir aufrichtiger reagieren können.

Diesen Beitrag liest eine erfundene Stimme vor, geschrieben hat ihn Katharina Hilbich.

Link zum Artikel: https://www.neuenarrative.de/magazin/sprache-der-arbeit-alles-eine-frage-des-humors

Unterstütze uns mit einem Abo: https://www.neuenarrative.de/abo

Feedback: https://neuenarrative.typeform.com/to/cpYdAS9j

Produktion: https://huebsch.schoenreden.com/

Transkript anzeigen

00:00:00: Hi, ich bin Katharina Hilbig, Autorin bei Neue Narrative.

00:00:04: Die Stimme, die dir gleich den Artikel vorliest ist künstlich.

00:00:07: Geschrieben habe ich ihn – mich gibt's wirklich!

00:00:10: Ich wünschte viel Freude beim

00:00:11: Zuhören.".

00:00:13: War doch nur Spaß.

00:00:15: Wenn dieser Satz fällt, ist in den meisten Fällen gerade etwas passiert das gar nicht lustig war was hinter der Floskel steckt und wie wir aufrichtiger reagieren können?

00:00:29: Alles eine Frage des Humors von Katharina Helbig.

00:00:35: Dienstagvormittag.

00:00:37: Maya präsentiert den neuen Onboarding-Prozess ihrer Firma, an dem sie in den vergangenen Wochen gearbeitet hat.

00:00:43: Kaum hat sie ihren Vortrag beendet, lehnt sich ihr Kollege Till zurück und sagt trocken – na dann ist die Firma ja gerettet!

00:00:50: Ein paar Leute lachen, andere schauen peinlich berührt ….

00:00:53: Und Maya hat einen Kloß im Hals….

00:00:56: Sie fühlt sich vor dem gesamten Team bloß gestellt….

00:00:59: Als die folgende Stille für alle unangenehm zu werden droht, schiebt Till hinterher.

00:01:04: War doch nur Spaß, du kennst mich doch!

00:01:07: Aber Maya ist gar nicht zum Lachen zu mute.

00:01:10: Humor am Arbeitsplatz ist nichts Schlechtes.

00:01:12: im Gegenteil Wer über sich selbst schmunzeln kann eine absurde Situation mit einem trockenen Kommentar entschärft oder das Team nach einem langen Tag zum lachen bringt tut damit tatsächlich etwas Gutes.

00:01:24: Humor kann Stress abbauen Menschen verbinden und schwierige Momente erleichtern.

00:01:29: Doch Witze auf Kosten anderer sind kein Spaß Wenn jemand im Team-Meeting, im Slack-Channel oder in der Kaffeepause zur Ponte wird ist das keine gemeinsame Leichtigkeit sondern eine Grenzüberschreitung und zwar auch dann wenn sie unbeabsichtigt war.

00:01:46: Wer trägt hier eigentlich die Verantwortung?

00:01:50: Die Floskel «war doch nur Spaß» folgt auf eine solche Grenzüberschreitung wenn der vermeintliche Spaß doch nicht so beim Publikum ankommt wie von dem oder der SprecherInnen antizipiert.

00:02:02: In unserem Beispiel wollte Till im Meeting tatsächlich witzig sein und für Lacher sorgen.

00:02:07: Das ging jedoch nach hinten los!

00:02:09: Die Reaktionen von Maya und den anderen KollegInnen zeigen ihm, dass er eine Grenze überschritten hat, indem er Maya bloß gestellt hat – und das das nicht witzigt ist.

00:02:19: Um nicht das Gesicht zu verlieren und die Kontrolle über die Situation wiederzuerlangen, betont Till nun seine gut gemeinte Intention, in dem er noch einmal explizit darauf hinweist, So verschiebt er das Störgefühl.

00:02:33: Das liegt nun bei Maya, die den Witz nicht verstanden hat und einfach etwas humorlos ist – ganz nach dem Motto… Ach komm, Maya!

00:02:41: Jetzt stell dich nicht so

00:02:42: an.".

00:02:43: Von meiner Seite aus war das gar nicht so ernst gemeint wie du es gerade auffasst.

00:02:48: Aber auch bei Aussagen, die ursprünglich gar nicht als witzgemeint waren kommt die Floskel zum Einsatz.

00:02:54: Eine Kollegin sagt zu ihrer Schreibtisch-Nachbarin «Hast Du deine Tage oder wieso bist Du so zickig heute?».

00:03:01: Als sie empörte Blicke erntet, rudert sie zurück und deutet das Gesagte als harmlosen Scherz um.

00:03:07: Mein Gott!

00:03:08: Das war doch lustig gemeint – darf man sowas heute nicht mehr fragen?

00:03:13: Aus einer übergriffigen Bemerkung wird eine unbeachtliche Kleinigkeit Und wer sich beschwert hat das Gefühl selbst das Problem zu sein.

00:03:22: In beiden Fällen passiert im Grunde dasselbe.

00:03:25: Die Sprecherinnen versuchen die Verantwortung für die unangenehme Situation, die durch ihren Kommentar entstanden ist an diejenigen abzugeben, die das unangenehme Gefühl bei ihnen ausgelöst haben.

00:03:36: Das bewahrt sie vor der Auseinandersetzung mit ihrem eigenen Fehler und reduziert die kognitive Dissonanz.

00:03:42: Und es verschiebt die Aufmerksamkeit auf das Umfeld!

00:03:45: Warum reagieren alle so empfindlich?

00:03:49: Mit Witz nach unten treten?

00:03:52: Eine Literaturanalyse in der über zwanzig internationale Studien zu Humor am Arbeitsplatz ausgewertet wurden zeigt Menschen in Machtpositionen setzen Humor häufiger ein, um Hierarchien zu festigen, Erwartungen durchzusetzen oder Druck auf Mitarbeitende auszuüben.

00:04:09: Männer greifen dabei häufiger zu aggressiven Witzen als Frauen – aber das Muster, Humor zur Machtausübung zu nutzen, zeigt sich unabhängig vom Geschlecht überall dort wo Hierarchie existieren.

00:04:22: Das liegt daran dass Menschen in privilegierten Positionen ein geringeres Risiko haben für ihr Verhalten sanktioniert zu werden.

00:04:30: Wer in der Hierarchie weiter unten sitzt, lacht oft mit um sich selbst keine Feinde zu machen.

00:04:35: Das nervöse Lachen im Raum – wenn ein Witz nicht wirklich lustig war – kennen wir vermutlich alle!

00:04:41: Das ist ein Zeichen von Machtgefällen.

00:04:45: Es ist noch nichts verloren.

00:04:48: Du hast die Floskel selbst schon einmal benutzt und fühlst dich ertappt?

00:04:52: Schon okay Wir schießen allemal daneben, wollen KollegInnen zum Lachen bringen Und treten einander dabei auf die Füße.

00:05:00: Oft steckt gar keine böse Absicht dahinter.

00:05:03: Es ist aber wichtig, in solchen Situationen die Verantwortung zu übernehmen.

00:05:09: Stell dir vor, Till hätte im Team-Meeting nach seinem Kommentar so etwas gesagt wie ….

00:05:13: Hey das war blöd von mir!

00:05:14: Tut mir leid Maya!

00:05:17: Keine lange Erklärung oder Rechtfertigung.

00:05:19: Till übernimmt Verantwortung und Maya fühlt sich gesehen und ernst genommen.

00:05:24: Wenn Till sich nicht sicher ist, wie sein Spruch bei Maya angekommen ist kann er sie nach dem Meeting einfach fragen.

00:05:31: Ist alles okay?

00:05:32: Oder war mein Kommentar verletzend?

00:05:34: Wir können uns nie zu hundert Prozent sicher sein, was in einer anderen Person vorgeht.

00:05:39: Nachzufragen signalisiert unserem Gegenüber, dass wir die Person ernst nehmen und den Fehler nicht im Gegenübersuchen.

00:05:47: War doch nur Spaß hat viele Geschwister!

00:05:50: Bei folgenden Floskeln solltest du deshalb auch aufhorchen.

00:05:54: Hast du keinen Humor?

00:05:56: Du Spaß fahrt er aber in.

00:05:59: Man wird ja wohl noch mal einen Witz machen dürfen oder etwa nicht.

00:06:03: Stell dich nichts so an.

00:06:05: Das war doch nicht ernst gemeint.

00:06:07: Und so kannst du reagieren, wenn Du die Floskel selbst benutzt hast.

00:06:12: Ich bin mir nicht sicher ob mein Kommentar okay war.

00:06:15: Wie ist er bei Dir angekommen?

00:06:17: Ich wollte witzig sein – sehe aber das Dich das getroffen hat!

00:06:21: Das tut mir leid... ich merke der Witz ist gar nicht gut angekommen….

00:06:25: was hatte ich daran

00:06:26: gestört?!

00:06:28: Der Spruch ist mir rausgerutscht …das war nicht ok von mir.

00:06:33: Alles eine Frage der Haltung….

00:06:36: Wenn Du den Impuls hast, war doch nur Spaß oder eine verwandte Floskell auszuspucken dann solltest du das als Hinweis darauf nehmen, dass du mit deiner Bemerkung daneben lagst und sie mindestens für einige nicht lustig war.

00:06:49: Verkneift ihr also beim nächsten Mal den Spruch und setze dich mit deine Bemerkungen und den adressierten KollegInnen auseinander!

00:06:56: Sich einen Fehler einzugestehen kann zwar unangenehm sein aber es ist wichtig.

00:07:02: Und an alle die sich eher in Maya wieder erkennen Du musst nicht still darüber hinwegsehen.

00:07:08: Du darfst sagen daßtich etwas getroffen verletzt oder irritiert hat Zum Beispiel so.

00:07:13: Ich fand den Kommentar nicht lustig, können wir kurz drüber reden?

00:07:18: Damit verdirbst du nicht die Stimmung sondern setzt klare Grenzen.

00:07:22: und wer als Beobachterin dabei ist auch ein kurzes Hey das war nicht okay.

00:07:27: macht einen Unterschied.

00:07:39: Takeaways Erstens Wer die Floskel wahr doch nur Spaß nutzt beschreibt nicht was passiert ist Sondern verschiebt die Verantwortung für eine unangenehme Situation zu anderen.

00:07:51: Zweitens Ob ein Witz gut ankommt oder eine Grenze überschreitet, wird nicht durch die Absicht hinter dem Gesagten entschieden sondern durch die Wirkung.

00:08:01: Drittens – Verantwortung zu übernehmen heißt sich nicht ausschweifen zu entschuldigen.

00:08:06: Ein ehrlicher Satz reicht oft schon aus.

00:08:10: Zum Schluss noch einmal aufgepasst Wenn immer wieder dieselben Personen zur Zielscheibe von vermeintlichen Witzen werden ist das Mobbing.

00:08:20: Mobbing am Arbeitsplatz geht weit über normale Konflikte hinaus.

00:08:24: Betroffene können sich aktiv wehren, indem sie Beweise sammeln das Gespräch mit offiziellen Stellen suchen und sich notfalls rechtlich beraten lassen.

00:08:32: Morberinnen müssen mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen bis hin zur Kündigung rechnen.

00:08:37: mehr Informationen dazu bietet beispielsweise die Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

00:09:05: Ich bin es nochmal Katharina Wenn dir mein Artikel gefallen hat und er dir vielleicht sogar weitergeholfen oder dich inspiriert hat, dann unterstützt uns doch gerne mit einem Abo auf neu.

00:09:15: narrative.de slash

00:09:17: abo.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.