So schützt ihr euch vor Deep Nudes

Shownotes

Ein geschmackloser Witz unter Kolleg*innen oder gar eine handfeste Erpressung im Postfach: Deep Nudes sind eine perfide Form der bildbasierten sexualisierten Gewalt. Viel zu oft werden Betroffene damit alleingelassen. Diese Strukturen sollten Organisationen jetzt aufbauen, um Missbrauch entgegenzuwirken.

Diesen Beitrag liest eine erfundene Stimme vor, geschrieben hat ihn Charleen Rethmeyer.

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Transkript anzeigen

00:00:00: Hallo, ich bin Charlene Redmayer, Redakteurin bei Neue Narrative und Autoren dieses Artikels.

00:00:06: Die Stimme die diesen Artikel gleich vorliest ist künstlich – aber mich gibt's wirklich!

00:00:12: Und ich wünsche dir viel Spaß beim Anhören!

00:00:15: Ein geschmackloser Witz unter KollegInnen oder gar eine handfeste Erpressung im Postfach?

00:00:21: Deep News sind eine perfide Form der bildbasierten sexualisierten Gewalt.

00:00:26: Viel zu oft werden Betroffene damit allein gelassen.

00:00:28: Diese Strukturen sollten Organisationen jetzt aufbauen, um Missbrauch entgegenzuwirken.

00:00:37: So schützt ihr euch vor Deep News von Charlene Redmayer.

00:00:42: Der Name des Protagonisten wurde geändert und ist der Redaktion bekannt.

00:00:46: Christian bekommt eine Nachricht von einer unbekannten Nummer.

00:00:50: Mehrere Nacktwilder Das eigene Gesicht Ein fremder Körper Darunter eine Drohung.

00:00:56: Mach was wir sagen Oder wir schicken das an deine Familie Und deine Arbeitskolleginnen.

00:01:01: Christian arbeitet bei einem Medien- und Weiterbildungsunternehmen.

00:01:05: Angehängte LinkedIn-Screenshots zeigen, die Täter kennen seinen Arbeitgeber.

00:01:10: Ich habe mich extrem hilflos gefühlt – und beschämt!

00:01:14: Meine größte Angst war dass jemals irgendwer diese Bilder sieht, erzählt er.

00:01:19: Bildbasierte sexualisierte Gewalt ist an sich kein neues Phänomen.

00:01:23: Neu ist aber wie erschreckend einfach sie geworden ist.

00:01:26: Ein Bild reicht als Ausgangsmaterial aus.

00:01:29: Kostenlose Anwendungen erstellen daraus in Sekunden sexualisierte Bilder.

00:01:34: Diese spielen mittlerweile auch im Arbeitskontext eine Rolle, wie zwei aktuelle prominente Fälle zeigen.

00:01:39: Im April schaltete die niedersächsische CDU-Fraktion die Staatsanwaltschaft ein.

00:01:44: Ein Fraktionsmitglied soll ein sexualisiertes Deep Fake Video einer Kollegin erstellt und in einer internen Chatgruppe geteilt haben.

00:01:51: Auch im medial prominenten Fall Colleen Fernandez waren Produzenten und Arbeitskollegen aus ihrem beruflichen Umfeld involviert.

00:01:59: Die Frage, die sich aus diesen Fällen ergibt ist nicht zwingend ob sie auch in anderen Organisationen vorkommen sondern in wiefern diese darauf vorbereitet sind.

00:02:08: Die Antwort ist meistens Nein und das Schweigen vieler Organisationen zu diesem Thema ist selbst Teil des Problems.

00:02:16: Dieses Bild ergab sich zumindest in der Recherche zu diesem Artikel indem vergleichsweise viele Organisationen Interviewanfragen ignoriert oder abgelehnt haben.

00:02:27: Arbeitgeberinnen dücken sich weg.

00:02:31: Seit zwanzig Jahren gibt es das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, in dem Präventions- und Schutzpflichten festgeschrieben sind.

00:02:38: Leider leben Organisationen diese kaum", sagt Christina Straßburger.

00:02:42: Sie ist Kriminologin und Expertin für das Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz – und berät Unternehmen und Betroffene.

00:02:50: Ich würde behaupten neunzig Prozent der Mitarbeitenden aber auch achtzig Prozent Es fehle an Kontrollinstanzen und so weichen ArbeitgeberInnen ihrer Verantwortung aus.

00:03:03: So lange es für Unternehmen nicht teuer wird, tun sie nichts – so

00:03:06: Strasburger.".

00:03:08: Viele Arbeitgeberninnen berufen sich darauf das die Belästigung im Privatbereich stattfindet, sagt Lea Breuer.

00:03:15: Sie ist Juristin und berät bei der Themis-Vertrauensstelle Betroffene von sexueller Belächtigung und Gewalt in der Kulturbranche.

00:03:23: Ausschlaggebend sei aber nicht ob jemand während der Kernerbeitszeit belästigt werde sondern ob ein struktureller Bezug zum Arbeitsplatz bestehe.

00:03:33: Ein kurzer Input Was ist bildbasierte sexuelle Gewalt am Arbeitsplatz?

00:03:40: Bildbasierte sexualisierte Gewalt liegt vor, wenn intime oder sexualbezogene Bildinhalte ohne Einwilligung erstellt, verbreitet oder als Erpressungsmittel eingesetzt werden.

00:03:51: Ein Kollege lädt z.B.

00:03:52: ein Foto einer Kollegin vom letzten Teamausflug in eine Nudify-App und schickt das Ergebnis in eine Chatgruppe.

00:03:59: Im allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, kurz AGG fällt das unter sexuelle Belästigung – konkret als unerwünschtes Zeigen und sichtbares Anbringen von pornografischen Darstellungen.

00:04:11: Das Strafrecht, dass für Privatpersonen wie Christian in diesen Fällen relevant ist, weist jedoch Lücken auf!

00:04:18: Dass erstellen, besitzen und zusenden von Deep News in einem Einzelchat ist in vielen Fällen nicht strafbar.

00:04:25: Erst bei einer Verbreitung an Dritte oder eine angedrohten Verbreitung greift häufig das Strafrecht.

00:04:31: Christian konnte daher bei der Polizei eine Anzeige gegen Unbekannt stellen.

00:04:36: Seine Strafanzeige blieb bisher folgenlos, auch weil die Täterinnen anonym waren.

00:04:41: Drei Gesetzesentwürfe liegen derzeit vor um das Verbreiten und in einem Entwurf auch das Erstellen von Deep News zu verbieten.

00:04:51: Der Arbeitsplatz schafft Gelegenheit.

00:04:55: In vielen Branchen gehört Sichtbarkeit zum Job.

00:04:57: Mitarbeitende bekommen auf über uns Seiten mit möglichst sympathischem Lächeln ein Gesicht oder Arbeitgeberinnen ermuntern, ihre Angestellten als Corporate Influencer in den sozialen Medien aufzutreten.

00:05:09: Viele Organisationen schaffen durch ihre eigenen Anforderungen eine erhöhte Gefährdungslage ohne das Problem zu benennen.

00:05:16: Besonders deutlich wird die strukturelle Verantwortung in Berufen, in denen Menschen vorrangig mit ihren Bildern arbeiten – etwa in der Kulturbranche.

00:05:24: Ich muss mich gerade am Anfang meiner Karriere sichtbar machen.

00:05:28: Online-Setkarten schickt man häufig an Menschen, die man kaum kennt.

00:05:31: Sichtbarkeit ist hier das größte Kapital und das macht Menschen noch verletzlicher", sagt Breuer.

00:05:38: Dazu kommt, kaum jemand hat so leicht Zugang zu Namen Fotos und persönlichen Informationen wie KollegInnen.

00:05:45: Die IT-und Digital-Rechzexpertin Tahire Panahi nennt das Gelegenheitsstruktur Räumliche Nähe Technische Infrastruktur Personenbezogene Daten Allgemeines Wissen über die Person dass sich im Laufe der Zeit ansammelt.

00:06:00: Das alles hilft, deep fakes oder sonstige manipulierte Inhalte zu erstellen und Zugang zum potenziellen Opfer zu bekommen – so Panahi!

00:06:08: Wenn ein Fall im Team bekannt wird, fehle es oft an Unterstützung.

00:06:12: Stattdessen kommen oft die gleichen Ausreden.

00:06:14: wie Breuer berichtet….

00:06:16: das war ganz anders gemeint … Oder du bist aber besonders sensibel.

00:06:21: Gleichzeitig ist es für Betroffene von Deep News belastend über Vorfälle zu sprechen, weil sie sich angreifbar machen und Angst haben, verurteilt zu werden.

00:06:30: Meine Scham über die Bilder war so groß dass ich mit niemandem darüber sprechen wollte besonders nicht auf der Arbeit.

00:06:37: Ich habe aber auch nicht gewusst zu wem ich gegangen wäre.

00:06:40: vermutlich am ehesten.

00:06:41: zur Personalabteilung sagt Christian Seinen.

00:06:45: Arbeitgeber hätte er nur informiert wenn er keinen anderen Ausweg gehabt hätte also wenn die Bilder veröffentlicht worden wären.

00:06:53: bisher müssen häufig die Betroffenen selbst den Vorfall melden Leuten hinterherrennen, damit Gesprächstermine zustande kommen.

00:07:00: Dafür sorgen das Bildmaterial gelöscht wird und dabei gleichzeitig mit dem umgehen was ihnen passiert ist.

00:07:06: Sex-Torschen beginnt zwar im Privaten zielt aber bewusst auf den Arbeitsplatz als Druckmittel.

00:07:11: Der Moment in dem Betroffene sich an ihre ArbeitgeberInnen wenden ist deshalb entscheidend Und genau hier versagen viele Organisationen.

00:07:20: Nicht Betroffe sind in der Bringschuld sondern Organisationen sagt Breuer.

00:07:25: Sie sind verpflichtet, Schutzstrukturen zu errichten.

00:07:28: Damit Betroffene wissen wohin sie sich wenden können und nicht allein gelassen werden.

00:07:33: Laut AGG ist übrigens nicht entscheidend wie eine Person etwas gemeint hat.

00:07:37: Aussagen wie das war nur ein Witz oder das habe ich als Kompliment gemeint zählen nicht als Rechtfertigung.

00:07:44: Maßgeblich ist ob das Verhalten objektiv als Würdeverletzung einzustufen ist und ob die betroffende Person es als solche erlebt hat zeigt als Organisation Haltung.

00:08:12: Wenn Organisationen etwas ändern wollen, fängt es nach Breuer mit einer Null-Toleranzpolitik an.

00:08:18: Das Wichtigste ist, dass jede Beschwerde ernst genommen wird – Betroffenen glauben geschenkt wird und sie sprechen dürfen", sagt sie.

00:08:26: Dann folge die Sachverhaltsaufklärung.

00:08:29: Null Toleranz bedeutet nicht, das bei jedem Vorfall sofort gekündigt wird!

00:08:33: Null Toleranz.

00:08:34: Politik meint, dass man sich den Einzelfall anguckt und dann erforderliche und angemessene Maßnahmen findet, erklärt

00:08:40: Sie.".

00:08:42: Stellt dafür in eurer Organisation psychologische Sicherheit her, das ist die Voraussetzung dafür dass sich Betroffene überhaupt melden.

00:08:49: Bei uns gibt es sowas nicht – ist nach Christina Straßburger die meistgehörte Aussage wenn Organisationen auf das Thema angesprochen werden.

00:08:57: Solche Aussagen zeigen allerdings nur, dass es nicht die psychologischen Sicherheit gibt darüber zu sprechen was Menschen als unangemessen erlebt haben sagt sie.

00:09:06: Sexuelle Belästigung gebe es in verschiedenen Ausführungen sicherlich in jeder Organisation.

00:09:11: Die Frage sei nur, ob Betroffene sich trauen sie zu benennen.

00:09:15: Diese sieben Maßnahmen helfen Betroffenen ein höheres Sicherheitsgefühl zu geben.

00:09:21: Erstens – sprecht regelmäßig über sexualisierte Belästigung und Gewalt.

00:09:26: Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht wenn Leitungspersonen präventiv in guten Zeiten kommunizieren.

00:09:33: wir haben hier eine Null-Toleranzpolitik sagt Breuer.

00:09:37: das Signal wirke in beide Richtungen.

00:09:39: betroffende wissen dass die gehört werden.

00:09:42: Potenzielle Täterinnen wissen, dass sie sich nicht alles erlauben können.

00:09:47: Dabei sollte nicht nur einmal im Internet ein Post über sexualisierte Gewalt oder die interne Beschwerdestelle abgesetzt werden, die schnell im digitalen Wust verschwindet – ihr könnt das zum Beispiel um diese Formate erweitern.

00:10:00: Informiert als Führungskräfte oder rollen über Updates bei Schutzrichtlinien in Team-Meetings und All Hands.

00:10:07: Sprecht mit neuen Mitarbeitenden beim Onboarding über Schutzkonzepte und Beschwerdewege!

00:10:13: Auch Datenschutzbelehrungen gehören zum Onboarding.

00:10:17: Stellt eure Ansprechpersonen im Internet vor und ruft sie halbjährlich in Erinnerung,

00:10:21: z.B.,

00:10:22: wisst ihr noch an wen ihr euch im Fall XY wenden könnt?

00:10:27: Etabliert Workshops oder Lunch-Formate mit der Ansprechperson von der Beschwerdestelle oder externem BeraterInnen?

00:10:33: Was ist digitale sexualisierte Gewalt?

00:10:36: Was mache ich wenn ich Sie beobachte oder selbst betroffen bin?

00:10:41: Zweitens schafft eine Anlaufstelle Eine interne Anlaufstelle steht und fällt mit ihrer Unabhängigkeit.

00:10:49: Das ist total zentral, dass ich eben nicht der oder die Arbeitgeberin von irgendwelchen Personen bin", sagt Lena Ull Ansprechperson für Antidiskriminierung an der Universität Kassel Es müsse keine externe Person im Unternehmen sein Aber sie dürfe keine Weisungsbefugnis über Betroffene oder Beschuldigte haben Oder tief in HR-Strukturen eingebunden seien.

00:11:12: Viele Organisationen benennen zwar eine Person geben ihr aber keine Schulung und kommunizieren ihre Existenz nur ein einziges Mal per Internet-Eintrag.

00:11:21: In so einem Fall haben Mitarbeitende die Person noch nie gesehen, geschweige denn Vertrauen zu ihr aufgebaut.

00:11:27: Beratung funktioniere aber nur wenn Menschen wissen wohin sie gehen können und sich trauen den ersten Schritt zu machen – Soul!

00:11:35: Deshalb muss die Außenkommunikation stimmen.

00:11:38: Klärt folgende Fragen Wer ist die Person?

00:11:41: Was macht sie?

00:11:42: Sind die Gespräche vertraulich?

00:11:44: Ist eine anonyme Beratung möglich?

00:11:49: Drittens, bietet anonyome Beratungen an.

00:11:52: Die erste Kontaktaufnahme ist für viele Betroffene aus Unsicherheit, Scham oder Angst vor Konsequenzen eine Hürde.

00:11:59: Durch anonymne Beratungs- könnt ihr sie senken.

00:12:02: Das bedeutet dass Betroffe sich melden können ohne ihren Namen zu nennen.

00:12:07: Personen können mich anonym anrufen und such telefonisch beraten lassen sagt Lena Ull Auch eine Kontaktaufnahme per neutraler E-Mailadresse sei möglich.

00:12:18: Das funktioniert!

00:12:19: Denn wer wisse, dass der erste Schritt keine negativen Konsequenzen für die betroffene Person auslöst, traue sich eher ihn zu gehen.

00:12:28: Ob und wie eine anonyme Beratung möglich ist sollte gut sichtbar im Internet oder bei größeren Organisationen auch zusätzlich auf einer Website zur Antidiskriminierungsstelle stehen.

00:12:41: Viertens Schuld verantwortliche Personen im Umgang mit sexualisierter Gewalt.

00:12:47: Eine Anlaufstelle ist nur so gut wie die Person, die dort sitzt.

00:12:51: Wer Betroffene berät muss wissen welche Rechte sie haben, welche Schritte möglich sind und was bildbasierte sexualisierte Gewalt überhaupt isst – Solena Ull!

00:13:00: Wer das nicht weiß kann nicht gut beraten.

00:13:04: Doch nicht nur Ansprechpersonen müssen informiert sein auch alle anderen.

00:13:08: Was zählt als sexuelle Belästigung?

00:13:11: Was tue ich, wenn ich etwas beobachte?

00:13:14: Das sollte Inhalt regelmäßiger Schulungen sein – zum Beispiel einmal im Jahr oder einmal im Semester.

00:13:21: Empfehlung Wie ein Erstgespräch von Arbeitgeberseite mit Betroffenen und auch Ein-Personal-Gespräch mit Beschuldigten ablaufen sollte hat die Antidiskriminierungsstelle des Bundes detailliert aufgeschrieben.

00:13:33: Den Link findet ihr in unserem Heft.

00:13:36: Fünftens Informiert über externe Beratungsstellen.

00:13:41: Beratung und Beschwerde sind zwei verschiedene Dinge.

00:13:44: Heute ist das Anliegen von Betroffenen erst mal.

00:13:47: Ich brauche ein offenes Ohr, ohne dass weiter etwas passiert und direkt Verfahren bei der Arbeit losgetreten werden", sagt Breuer.

00:13:54: Dafür könnt ihr euren Mitarbeitenden eine Liste an externen Vertrauensstellen bereitstellen.

00:14:00: Gleichzeitig können Organisationen einander beim Aufbau einer internen Beschwerdestelle unterstützen oder Workshops für ihre Mitarbeitende von externem ExpertInnen durchführen zu lassen.

00:14:12: Sechstens passt eure Richtlinien an digitale Kontexte an.

00:14:17: Viele Antidiskriminierungsrichtlinien und Regelungen zu sexueller Belästigung wurden geschrieben, bevor digitale Gewalt oder KI-Bildgenerierung ein großes Thema war.

00:14:27: Organisationen sollten ihre Richtlinien überprüfen ob diese auf digitale Kontexte anwendbar sind", sagt Panahi.

00:14:34: Deepfakes und bildbasierte sexualisierte Gewalt solltet ihr dort explizit aufnehmen.

00:14:39: Zur Orientierung haben wir folgende Musterformulierung entwickelt Das erstellen, besitzen oder verbreiten von sexualisierten Bild Ton- oder Videoinhalten, die Mitarbeitende ohne deren Einwilligung darstellen – einschließlich KI-generierter oder manipulierter Inhalte gilt als sexuelle Belästigung im Sinne des AGG und wird arbeitsrechtlich geahndet.

00:15:02: Ein häufiges Missverständnis Private Chatgruppen seien Privatbereich und damit arbeitsrechtlich irrelevant.

00:15:10: Das stimmt nicht!

00:15:12: Das Bundesarbeitsgericht hat dass auch Mobbing in privaten Chatgruppen arbeitsrechtliche Konsequenzen haben kann, wenn ein struktureller Bezug zum Arbeitsplatz besteht.

00:15:24: Siebtens – sichert eure technischen Arbeitsmittel ab.

00:15:28: ArbeitgeberInnen müssen Vorkehrungen treffen damit Arbeitsmittel nicht für Deep News verwendet werden sagt Panahi.

00:15:36: Sonst riskiert die Organisation ungewollt zur Infrastruktur einer Straftat zu werden Denn wer über Dienstgeräte firmen eigene Cloud-Zugänge oder das interne Netzwerk ein sexualisiertes Bild von einem oder einer Kollegin erstellt, oder verbreitet tut das mit Ressourcen die die oder der Arbeitgeberin bereitstellt.

00:15:56: Gleichzeitig haben Arbeitgeberninnen Zugang zu IP-Adressen Gerätedaten und Cloud-Protokollen und können im Ernstfall Beweise für die Strafverfolgung zur Verfügung stellen.

00:16:07: Es ist nie zu früh aber oft zu spät.

00:16:12: Organisationen, die noch keine Schutzstrukturen für bildbasierte sexualisierte Gewalt haben können sich nicht mehr auf Unwissenheit berufen, die Fälle und rechtliche Pflichten sind da.

00:16:22: Und die Kosten des Wegschauens sind real – Produktivitätsverluste, Teamkonflikte, Kündigungen, Image-Schäden!

00:16:30: Und allem voran ist es einfach eine menschliche Frage.

00:16:33: Möchte ich dass sich meine Angestellten an ihrem Arbeitsplatz sicher fühlen?

00:16:36: fragt Straßburger.

00:16:38: Christian ignorierte die Drohung der TäterInnen und schaltete direkt die Polizei ein.

00:16:43: Seine privaten Social-Media-Profile stellte er auf Privat und löschte Zweitkanäle, um die Angriffsfläche zu verkleinern.

00:16:51: Berufliche Profile wie LinkedIn ließ ja öffentlich – weil die Sichtbarkeit dort in seiner Branche wichtig sei!

00:16:58: Auch wenn die Bilder bisher unveröffentlicht blieben ist der Vorfall für ihn nicht zu Ende.

00:17:03: Die Angst bleibt dass sie irgendwann auftauchen könnten.

00:17:07: Melden Betroffene diese Fälle oder wenden Sie sich an die Öffentlichkeit machen sie auch immer sehr verletzlich.

00:17:13: Umso wichtiger ist es, dass Organisationen Betroffenen endlich entgegenkommen und Schutzpflichten ernst nehmen.

00:17:21: Notfallhilfe – das könnt ihr als Betroffene tun!

00:17:26: In einer idealen Welt werdet ihr von euren ArbeitgeberInnen in so einem Fall unterstützt.

00:17:31: Leider ist das nicht immer so.

00:17:33: Das könnt ihr tun wenn ihr ein Deep Newt von euch entdeckt.

00:17:37: Erstens.

00:17:38: Lasst euch beraten.

00:17:39: Jeder Fall ist anders.

00:17:41: Daher lohnt es sich, sich dazu beraten zu lassen.

00:17:44: Zum Beispiel bei eurer Gewerkschaft einer branchenspezifischen Beratungsstelle oder bei Hate Aid.

00:17:50: Hat die eigene Organisation eine Ansprechperson oder Beschwerdestellen, kann das ebenfalls ein Anknüpfungspunkt sein!

00:17:57: Zweitens – verpflichtet Plattformen zur Löschung.

00:18:01: Erhaltet ihr über ein soziales Netzwerk oder einen Messenger-ein DeepNude könnt ihr über die melde Funktion der jeweiligen Plattform einen Takedown-Antrag stellen.

00:18:11: Plattform sind nach dem Digital Services Act zu Entfernung rechtswidriger Inhalte verpflichtete reagieren in der Praxis aber oft zögerlich.

00:18:20: Deshalb empfiehlt sich Unterstützung durch sogenannte vertrauenswürdige Hinweisgeber, wie Hate-Aid.

00:18:26: ihre Meldungen werden schneller bearbeitet.

00:18:29: Drittens wendet euch an die Polizei oder Staatsanwaltschaft.

00:18:33: eine Strafanzeige kann grundsätzlich jede Person stellen auch ohne Frist.

00:18:38: In manchen Fällen greifen strafrechtliche Tatbestände wie Nachstellung Beleidigung oder Verleumdung.

00:18:44: Wichtig ist der Unterschied.

00:18:45: Der Strafantrag muss von der betroffenen Person selbst innerhalb von drei Monaten nach Kenntnis gestellt werden, sonst wird in der Regel nicht ermittelt.

00:18:54: Da das Strafrecht bei synthetischen Bildern noch Lücken hat, lohnt sich vorher eine individuelle Rechtsberatung – zum Beispiel bei Hate Aid.

00:19:02: Sichert Beweise wie Screenshots, Links und Kontonamen bevor Inhalte möglicherweise gelöscht werden.

00:19:09: Viertens Beschwert euch bei euren ArbeitgeberInnen.

00:19:13: Im Arbeitskontext greift es AGG.

00:19:16: Das Erstellen von Deepfakes ohne Einwilligung fällt schon jetzt unter sexuelle Belästigung nach § III Absatz IV AGG.

00:19:24: Beratungsstellen helfen, formale Beschwerden zu schreiben und einzureichen.

00:19:38: Takeaways.

00:19:40: Erstens Bildbasierte sexualisierte Gewalt ist ein Machtproblem – kein Tech-Problem.

00:19:47: Künstliche Intelligenz macht das Erstellen vom Deep News zwar einfacher aber der Mechanismus dahinter ist alt Kontrolle über Körper und Reputation als Druckmittel.

00:19:58: Zweitens Der Arbeitsplatz stellt für Täterinnen eine Gelegenheitsstruktur dar.

00:20:03: KollegInnen haben sehr leichten Zugang zu Fotos, Daten- und persönlichen Informationen.

00:20:09: Drittens Zu wenige Organisationen kommen ihren Schutzpflichten nach – dabei gibt es seit zwanzig Jahren das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, dass Präventions- und Schutzpflichtenfestschreibt mit denen sie Betroffene direkt unterstützen können.

00:20:27: Vielen Dank an unsere Inputgeberinnen!

00:20:30: Tahire Panahi ist Digitarechzexpertin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Kassel, im Deepfake-Forschungsprojekt Vampir.

00:20:40: Christina Straßburger ist Kriminalogin und erstellt Schutzkonzepte und bereit bei sexualisierter Gewalt am Arbeitsplatz.

00:20:48: Lea Breuer ist Juristin und bereit beider Themes Vertrauensstelle betroffende von sexualisierten Gewalt in der Kulturbranche und hat im Rahmen ihres Referendariats bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes von Diskriminierung Betroffene beraten.

00:21:02: Lena Ull, they them ist Politikwissenschaftler in- und systemische Beraterin.

00:21:08: They arbeitet als Ansprechperson für Antidiskriminierung und als Referentin Diversity an der Universität Kassel

00:21:44: unter www.neunarative.de.

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