Solo-selbstständig und alleingelassen
Shownotes
Kein bezahlter Urlaub, null Mutterschutz, zu wenig Altersvorsorge: Wer solo-selbstständig arbeitet, fällt durch nahezu alle sozialen Sicherungsnetze. Betroffene sollten sich verbünden. Und der Staat muss endlich handeln.
Diesen Beitrag liest eine erfundene Stimme vor, geschrieben hat ihn Laura Erler.
Link zum Artikel: https://www.neuenarrative.de/magazin/soziale-absicherung-in-solo-selbststaendigkeit
Unterstütze uns mit einem Abo: https://www.neuenarrative.de/abo
Feedback: https://neuenarrative.typeform.com/to/cpYdAS9j
Produktion: https://huebsch.schoenreden.com/
Transkript anzeigen
00:00:00: Hallo.
00:00:01: Ich bin Laura Erler, Redakteurin bei Neuer Narrative und Autoren dieses Artikels.
00:00:06: Die Stimme die den Artikel gleich vorliest ist künstlich Aber mich gibt's wirklich Und ich wünsch dir viel Spaß beim Anhören.
00:00:13: Kein bezahlter Urlaub Null Mutterschutz zu wenig Altersvorsorge.
00:00:18: Wer solo selbstständig arbeitet fällt durch nahezu alle sozialen Sicherungsnetze.
00:00:23: Betroffene sollten sich verbünden Und der Staat muss endlich handeln Solo selbstständig und allein gelassen.
00:00:34: von Laura Erler.
00:00:36: Meistens arbeite ich durch jede Krankheit, auch wenn ich dabei schon am Laptop mit Fieber eingeschlafen bin – schreibt Doro seit sechs Jahren solo selbstständisch als Grafikerin!
00:00:47: Für diesen Text haben wir zur Teilnahme an einer Umfrage in unserem Freelance-Netzwerk aufgerufen.
00:00:52: Das Ergebnis ist mit neununddreißig teilnehmenden nicht repräsentativ gibt aber einen guten Eindruck der Lage, in der sich viele Solo Selbstständige befinden.
00:01:02: Doro erzählt, es gibt keinen wirklichen Urlaub oder Ruhephasen für die ich mich nicht schlecht fühle.
00:01:08: Da sich das Gefühl einstellt jede Stunde die ich nicht in meine Selbstständigkeit investiere ist verschenkte Zeit und Geld.
00:01:16: Solo-Selbstständige müssen Einkommensausfälle bei Krankheit oder Urlaub selbst auffangen da Lohnfortzahlung arbeitslosen Geld unvergleichbare Schutzmechanismen fehlen oder nur eingeschränkt greifen.
00:01:29: Sie haben auch keine KollegInnen die für sie einspringen können.
00:01:32: Freiberuflichkeit steht für Freiheit, Flexibilität und Selbstverwirklichung.
00:01:38: Die Realität?
00:01:39: Wer krank wird stürzt ab!
00:01:42: Es gibt kein Auffangnetz – wer lange ausfällt fällt tief.
00:01:46: Freiberufliche gehören zu einer Gruppe der Erwerbsbevölkerungen die in den letzten Jahren stark gewachsen ist.
00:01:53: Im EU-Durchschnitt sind mittlerweile mehr als zwei Drittel aller selbstständigen Soloselbstständige.
00:01:59: Trotzdem tut die Politik so, als gäbe es sie nicht.
00:02:02: Unsere Arbeits- und Sicherungssysteme ignorieren Millionen Soloselbstständige, strukturell, dauerhaft und folgenreich.
00:02:11: Ein neues Präkariat.
00:02:14: Viele gehen in die Selbstständigkeit für berufliche Freiheit, autonomie und flexible Arbeitszeiten aber auch aus Zwang, da es in manchen Branchen nicht genügend feste Stellen gibt und Unternehmen bestimmtes hochspezialisiertes Wissen lieber flexibel und projektbasiert einkaufen.
00:02:30: doch das bringt viele Nachteile mit sich.
00:02:33: Solo-Selbstständige sind weder Arbeitnehmerinnen noch ArbeitgeberInnen und fallen durch viele finanzielle und soziale Raster.
00:02:40: Es beginnt damit, dass die Löhne oft niedriger sind.
00:02:43: Angestellte haben einen klar messbaren Stundenlohn inklusive sozialer Leistungen Und auch Selbstständige mit angestellten Zahlen sich gewöhnlich selbst eingehalten.
00:02:53: Solo-selbstständigen tragen das volle unternehmerische Risiko ohne Sicherheitsnetz.
00:03:01: Sie müssen ihre Stundensätze kalkulieren, während Auftraggebende Preise drücken und der Markt diktiert.
00:03:08: Wer Akquise Buchhaltung und Kommunikation ehrlich einpreist – und diesen Betrag in der Bezahlung abgebildet wissen will gilt schnell als zu teuer.
00:03:18: Daher können sie häufig nur einen Teil ihrer Zeit abrechnen.
00:03:23: Das ist kein fairer Wettbewerb sondern führt lediglich zur strukturelle Ausbeutung.
00:03:27: Will eine Person zum Beispiel ein monatliches Bruttoeinkommen von fourtausend Euro bei einer vierzig Stundenwoche erzielen, ergebe sich ein effektiver Verdienst von etwa fünfundzwanzig Euro pro Stunde wenn sie das Einkommen auf alle ihre Stunden verteilen würde.
00:03:42: Da die Person aber nur etwa fünf und zwanzig von vierzig Wochenstunden tatsächlich abrechnen kann müsste der Stundensatz mindestens vierzig Euro betragen.
00:03:51: um über die Runden zu kommen müssen Soloselbstständige aber auch noch Auftragsausfälle einpreisen und einberechnen, dass sie von diesem Betrag selbst Steuern abführen müssen.
00:04:02: In manchen Branchen wie etwa der IT-Branche oder in der Beratung sind Sätze von Achtzig bis Hundert Euro üblich.
00:04:09: doch andere Bereiche wie etwa die Medienbranche, die selbst finanziell kämpft können oder wollen diese hohen Sätze nicht zahlen.
00:04:17: dazu kommt das alle Einnahmen wegfallen sobald SolosElbstständigen nicht arbeiten.
00:04:23: Für sie gibt es keinen bezahlten Urlaub und keine Lohnfortzahlung bei Krankheit.
00:04:28: Erst nach sechs Wochen gibt es Krankengeld – und das auch nur für gesetzlich versicherte Selbstständige mit einem entsprechenden Wahltarif.
00:04:35: Privatversicherte können Krankentage-Geldabtag eins wählen, allerdings sind die Beiträge höher und es gibt Gesundheitsprüfungen.
00:04:44: Bei Vorerkrankungen kann es noch teurer werden oder die Versicherung lehnt ab!
00:04:49: Deshalb arbeiten die meisten krank weiter und haben auch immer im Urlaub Arbeit dabei, um finanzielle Ausfälle zu kompensieren.
00:04:56: Jede Erholung ist ein potenziell verschenkter Auftrag – so bleibt sie auf der Strecke.
00:05:01: Zudem besteht für die meisten Freiberuflichen keine Pflicht zur gesetzlichen Rentenversicherung.
00:05:07: Ende Jahrzehntausenddreiundzwanzig waren lediglich etwa neun Prozent der insgesamt rund drei Komma Sieben Millionen Selbstständigen in Deutschland freiwillig rentenversichert.
00:05:16: Wer nicht pflichtversicherteist hat auch keinen Anspruch auf riechster Rente.
00:05:21: Auch das neue Konzept Aktiv-Rente gilt nur für Angestellte, damit können Rentnerinnen seit Januar zwetausendzechsundzwanzig bis zu zweitausend Euro pro Monat steuerfrei hinzuverdienen.
00:05:33: Freiberufliche müssen ihren Zuverdienst weiterhin versteuern.
00:05:37: Das Ergebnis ist absehbar Altersarmut mit Ansage.
00:05:42: Viele dieser Regelungen orientieren sich noch immer an einem Sozialmodell aus dem neunzehnten Jahrhundert.
00:05:47: Sie sollten die Arbeiterinnen sozial stärken und ihre Position gegenüber ArbeitgeberInnen verbessern.
00:05:54: Das ist auch gut so!
00:05:55: Nur hat sich die Arbeitswelt inzwischen radikal verändert, das Sicherungssystem nicht.
00:06:01: Solo-Selbstständige können sich freiwillig sozial absichern – nutzen diese Option jedoch vergleichsweise selten.
00:06:07: Trotz des Risikos dass statistisch etwa jeder vierte im Laufe seines Berufslebens berufsunfähig wird ist die private Absicherung gegen Berufsunfähigkeit unter selbstständigen Gering, auch hier häufig aufgrund hoher Prämien.
00:06:22: Um das aufzufangen, sichert die Künstlersozialkasse kurz KSK derzeit rund hundertachzigtausend selbstständige Künstlerinnen und Publizistinnen ab und zahlt einen Teil der Kranken, Pflege- und Rentenversicherung.
00:06:37: Fünfzig Prozent der Beiträge tragen die Versicherten selbst, dreißig Prozent diejenigen Unternehmen die künstlerische oder publicistische Leistungen nutzen.
00:06:46: Zwanzig Prozent sind ein Bundeszuschuss, so sind etwa Verlage und Agenturen, die selbstständige Fotografen beauftragen gesetzlich verpflichtet rund fünf Prozent der Honorasumme zusätzlich an die KSK abzugeben.
00:07:01: für andere Branchen gibt es ein solches Sicherungssystem nicht.
00:07:05: Selbstständige Künstlerinnen gelten traditionell als besonders schutzbedürftig, da sie häufig unregelmäßig arbeiten aber auf Auftraggebende angewiesen sind die ihre Werke wirtschaftlich verwerten.
00:07:17: Wer in der KSK aufgenommen wird hat also Glück.
00:07:20: alle anderen müssen sich selbst kümmern.
00:07:22: ihnen fehlt bei allem der Arbeitgeber Innenanteil und die staatliche Unterstützung.
00:07:27: so darf soziale Absicherung nicht funktionieren.
00:07:30: Sie ist kein Gewinnspiel noch weniger Platz für Fürsorge.
00:07:38: Besonders misslich ist die Lage für Freiberufliche, die chronisch oder psychisch krank sind.
00:07:43: Arbeiten sie trotz Depressionen, chronischer Migräne oder Autoimmunerkrankungen weiter verschlimmert das im Zweifel die Krankheit.
00:07:51: Nehmen Sie sich Zeit.
00:07:52: um zu genesen kommt die ständige Sorge um Aufträge, Kundinnen und Einnahmen, die den Stress zusätzlich verstärkt und bestehende Krankheit anfeuern kann.
00:08:02: Auch für Kerrgebende ist Solo-Selbstständigkeit herausfordernd.
00:08:06: Die Flexibilität und Autonomie mag auf den ersten Blick wie geschaffen für Menschen mit Pflegeverantwortung wirken.
00:08:13: Aber genau das erhöht ironischerweise offenbar die Ungleichheit, denn einerseits entsteht im Haushalt die Erwartung du kannst es dir ja einteilen also übernimmst Du die Sorgearbeit.
00:08:24: andererseits verdienen selbstständige Frauen statistisch vierundvierzig Prozent weniger als Männer.
00:08:30: Das liegt deutlich über der allgemeinen Gender Pay Gap von sechzehn Prozent.
00:08:35: Durch diese Lücke entsteht innerhalb vieler Partnerschaften häufig die Logik, dass die Person mit dem höheren Einkommen Erwerbsarbeit priorisiert und die andere mehr im Haushalt tut.
00:08:46: Die Mehrheit der Regelungen zur Vereinbarkeit gelten in Deutschland bisher nur für Angestellte.
00:08:52: Selbstständige haben keinen Mutterschutz und erhalten kein Mutterschaftsgeld Es sei denn sie haben Anspruch auf Krankengeld zum Beispiel durch einen Wahltarif.
00:09:01: Das Elterngeld bei Selbstständigen orientiert sich dann in der Regel am Steuerjahr vor der Geburt.
00:09:07: Wer in dem maßgeblichen Jahr noch eine Existenzaufbaut oder stark schwankende Einnahmen hat, erhält ein deutlich niedrigeres Elterengeld.
00:09:16: Rund dreiundachtzig Prozent der selbstständigen Mütter geben laut dem Verein Mutterschutz für alle an, dass sie in der Schwangerschaft deutliche wirtschaftliche Nachteile hatten.
00:09:25: Etwa ein Drittel aller Frauen beendet daher nach der Gebur die Selbstständigkeit.
00:09:31: Der Mutterschutz für Selbstständige ist längst europäisches Recht, aber Deutschland setzt es nur halbherzig um.
00:09:38: In Österreich haben selbstständige Frauen die Wahl zwischen einem Wochengeld von seventy-two Euro pro Tag oder einer Betriebshilfe.
00:09:47: Schweden etwa nutzt bei Selbstständigen ein branchentypisches Einkommen zur Berechnung der Mutterschaftsleistungen.
00:09:53: Die Kosten trägt das staatliche Sozialversicherungssystem wobei Eigenbeiträge der Versicherten und allgemeine Steuermittel kombiniert werden.
00:10:26: Politische und individuelle Lösungen.
00:10:31: Wenn wir diesen Schlamassel einmal herunterbrechen, haben wir vier Probleme zu lösen.
00:10:36: Erstens Der Sozialstaat sichert solo selbstständige finanziell nicht genug ab.
00:10:42: Zweitens Trotz vermeintlich hoher Stundenlöhne verdienen sie in einigen Branchen zu wenig um sich privat abzusichern.
00:10:50: Drittens Es fehlen gesetzliche Regeln zu Erholungs- und Genesungszeiten für Selbstständige.
00:10:56: Viertens, Soloselbstständige kämpfen mit unklaren Regeln und hohen bürokratischen Hürden um sich selbst zu organisieren.
00:11:05: Zu Problem eins – das schon lang diskutierte Branchen.
00:11:08: spezifische Basishonorar ähnlich dem Mindestlohn für Angestellte wäre das absolute Minimum.
00:11:15: Als Wettbewerberinnen dürfen selbstständige laut Kartellrecht keine verbindlichen Preisabsprachen treffen.
00:11:22: So wurde die Honorarordnung für Architektinnen und IngenieurInnen, die früher verbindliche Mindest- und Höchstsätze für Planungsleistungen vorsah vom Europäischen Gerichtshof gekippt.
00:11:33: Nach dem Tarifvertragsgesetz ist es jedoch möglich, Tarifregelungen für arbeitnehmerähnliche Personen sogenannte feste Freie auszuhandeln.
00:11:42: Diese Idee ist im Medien- und Kulturbereich schon gereift.
00:11:46: In öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wie dem NDR, MDR oder RBB sind freie Mitarbeitende teilweise in Betriebsstrukturen wie den Personalrat eingebunden und haben eine freien Vertretung die bei wichtigen Entscheidungen Mitbestimmungsrechte hat.
00:12:01: Auch andere Auftraggebende sollten ihre Freien mehr einbinden – oder zumindest im Bewusstsein von sozialer Absicherung und Ausfallzeiten – die Honorare nicht künstlich drücken.
00:12:12: Problem zwei existiert nur weil unser Sozialstaat stur an der künstlichen Trennung zwischen abhängiger und selbstständiger Arbeit festhält.
00:12:20: Würden beide Formen endlich im selben Sicherungssystem abgesichert, gäbe es diese strukturelle Benachteiligung schlicht nicht!
00:12:28: In den Niederlanden sind bereits alle Bürgerinnen unabhängig von der Beschäftigungsform im staatlichen Grundsicherungssystem Kranken-und Altersrenten versichert.
00:12:38: Jede Person die in den Niederlanden lebt oder dort Einkommen erzielt, schließt eine Basiskrankenversicherung ab.
00:12:44: Dadurch gibt es keine Versicherungslücken durch Erwerbsunterbrechungen oder Selbstständigkeit.
00:12:50: Andere Länder haben also längst verstanden, dass soziale Sicherung an die Person geknüpft sein muss – nicht an den Arbeitsvertrag!
00:12:58: Die Rentenversicherung für selbstständige Verpflichtend zu machen würde verhindern das Selbstständigkeit deswegen billiger ist weil die Beiträge nicht kalkuliert werden müssen, sagt Cosima Langer, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Haus der Selbstständigen einem Projekt dass Arbeitsbedingungen von Soloselbstständigen verbessern will.
00:13:16: Für Auftraggebende wäre es nicht mehr attraktiver, einen Auftrag frei beruflich zu vergeben anstatt jemanden einzustellen.
00:13:24: Vermutlich noch simpler wäre es solidarische Modelle wie die KSK auszuweiten.
00:13:29: eine Freelancerin antwortet in unserer Umfrage Es wäre gut wenn der Staat so etwas wie die ksk für alle kleinen Selbstständigen bis zu einem bestimmten Einkommen oder mit Einkommensabhängiger Beteiligung, also mit Progression für die Sozialversicherung einrichten würde.
00:13:47: In der Tat ist die Begrenzung auf künstlerische Berufe ungerecht – auch freiberufliche Handwerkerinnen, Architekt-Innen und Heilpraktikerinnen haben schwankende Aufträge.
00:13:58: Warum sollen nicht die Unternehmen auch für deren Leistungen einen Beitrag zur sozialen Absicherung leisten?
00:14:04: Sobald diese Sicherheit für Soloselbstständige existiert wird auch Erholung und Urlaub möglich, und löst damit auch Problem drei.
00:14:13: Das Totschlagargument – dann sollen sie sich halt besser absichern, blendet aus wie teuer-und lückenhaft diese freiwilligen Systeme sind!
00:14:21: Die Sozialversicherungsträger müssen es bürokratisch einfacher machen, privat vorzusorgen und sich Hilfe zu holen.
00:14:28: Aktuell sind Regelungen zur Krankengeld-, Elterngeld- und Versicherungen für Selbstständige ein Haufen abschreckender Papierkram dazu teilweise unzureichend oder unklar geregelt.
00:14:40: Es müsste auf den entsprechenden Portalen wie für Elterngeld spezielle Bereiche und Informationen für Selbstständige geben, und auch Beratungsstellen mit Expertinnen die auf selbstständige vorbereitet sind", sagt die selbstständig zweifache Mutter Ulrike.
00:14:57: Was Selbstständigen tun können?
00:15:01: Die Genossenschaft Smart aus Belgien versucht diese Hürden für Menschen, die selbständig sein wollen zu verringern.
00:15:08: Bei SMART sind Menschen in der Genossenschaft angestellt, haben also Zugang zu Sozialversicherung, Arbeitslosengeld und Rentenansprüchen.
00:15:16: Sie erledigen aber ihre selbstständigen Aufgaben.
00:15:20: Über die administrative Entlastung hinaus organisiert SMART ihre Mitglieder nach einem Solidarprinzip.
00:15:26: Einnahmen fließen zunächst in die Genossenschaft – daraus werden Gehälter gezahlt!
00:15:31: So entsteht eine gewisse Einkommensstabilität.
00:15:34: Dazu tragen alle Mitglieder Zahlungsausfälle oder Projektabbrüche kollektiv.
00:15:39: Smart gibt es auch in der Dachregion, allerdings ist es zumindest in Deutschland unter anderem durch strenge Wirtschaftlichkeitsprüfungen immer noch schwierig selbst eine Genossenschaft zu gründen.
00:15:51: Eine Alternative sind Branchen spezifische Vernetzungen zwischen Selbstständigen zum Beispiel JournalistInnenverbände oder der von theaterschaffenden gegründete Vereinbühnenmütter sowie übergreifende Netzwerke wie den Bundesverband der Freien Berufe.
00:16:06: Es gibt inzwischen auch die Möglichkeit, sich als Solo-selbstständige gewerkschaftlich zu organisieren.
00:16:12: Die Gewerkshaft Erziehung und Wissenschaft – kurz GEW Die IG Metall oder Verdi bieten beispielsweise Mitgliedschaften für Solo-Selbstständiger an.
00:16:24: Letztere fordern unter anderem faire Honorare eine bessere soziale Absicherung und die Aktivrente für alle.
00:16:32: Und es gibt politische Initiativen.
00:16:34: Gemeinsam mit zwei anderen freien Handwerkerinnen und einer Anwältin startete Tischlermeisterin Johanna Röhe, two-tausend-einundzwanzig auf Change.org – eine Petition mit dem Hashtag «Mutterschutz Für Alle», die sich für gleiche Rechte im Mutterschutz für selbstständige Schwangere einsetzt.
00:16:51: Ihre Petition erhielt in kurzer Zeit über hundertelftausends siebenhundertvierundneunzig Unterschriften.
00:16:56: Daraufhin gründete sie den gemeinnützigen Verein Mutterschutz für alle.
00:17:01: Vier Jahre später schafften Sie es, dass der Mutterschutz für selbstständige erstmals im Koalitionsvertrag der Bundesregierung zwischen der CDU CSU und der SPD verankert wurde.
00:17:12: Darin vorgesehen ist, das die bekannten Schutzfristen auch für selbständige Frauen gelten – und dabei Umlage finanzierte oder andere Finanzierungsmodelle greifen.
00:17:24: Sicherheitslücken schließen.
00:17:28: Selbstständige werden im deutschen Sozialstaat systematisch als Beschäftigte zweiter Klasse behandelt.
00:17:34: Die veralteten, auf Angestellte zugeschnittenen Regelungen entsprechen längst nicht mehr der Realität des Arbeitsmarktes in dem immer mehr Menschen solo selbstständig arbeiten – aber die Ungleichbehandlung von Selbstständigen ist kein unverrückbares Naturgesetz!
00:17:49: Wir sehen an anderen Ländern das ein besserer Schutz für Selbstständiga möglich und einige Verbesserungen wie der Mutterschutz sind ja in Deutschland bereits angeleiert.
00:17:59: Die Veränderungen unserer Arbeitswelt sprechen dafür, dass es in Zukunft eher mehr als weniger solo selbstständig gegeben wird.
00:18:07: Diese Leute brauchen verbindliche Rechte, verpflichtende Altersabsicherung für alle echten Mutterschutz, früheres Krankengeld, faire Mindesthonorare und Urlaubsregelungen ohne Existenzängste zu haben!
00:18:21: Wir haben ja keinen Sozialstaat aufgebaut, damit ein Teil der Menschen durchrutscht.
00:18:26: Ein Wunsch aus unserer Umfrage lautet und die Politik so lange konfrontieren, bis sie handelt.
00:18:55: Der Erfolg von Mutterschutz für alle zeigt dass es sich lohnt Initiativen zu starten.
00:19:02: Dafür braucht es einen langen Atem.
00:19:05: Den Verein gibt es inzwischen seit fünf Jahren Aber wenn sich genügend Leute engagieren muss die Politik irgendwann reagieren So wie sie es auch bei Angestellten tut Leider immer erst dann Wenn der Druck groß genug ist.
00:19:28: Takeaways Erstens Solo-Selbstständige sind strukturell schlechter abgesichert als Angestellte.
00:19:35: Bei Krankheit, Elternschaft und Altersvorsorge fehlen ihnen zentrale Schutzmechanismen – was zu existenziellen Risiken führt.
00:19:43: Zweitens Die bestehenden Sicherungssysteme sind historisch auf abhängige Beschäftigung zugeschnitten und berücksichtigen die Realität einer wachsenden Zahl solo-selbständiger nur unzureichend.
00:19:55: Drittens Solo-selbständige können sich in Netzwerken und Gewerkschaften organisieren um kollektiv Druck aufzubauen und bessere Bedingungen einzufordern, statt allein auf individuelle Lösungen zu setzen.
00:20:09: Vielen Dank an unsere Inputgeberin!
00:20:12: Cosima Langer ist Sozialwissenschaftlerin und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin für die Arbeit gestalten GmbH im Non-Profit-Projekt Haus der Selbstständigen – das die soziale, rechtliche und wirtschaftliche Situation von Solo-Selbstständigen stärkt.
00:20:29: Lange hat gemeinsam mit Katrin Mauch, in dem Bericht Solo selbstständig in unbezahltem Terrain veröffentlicht.
00:20:38: Weitere Tipps und Tricks für Selbstständige aus unserem Netzwerk findest du in unserem Magazin!
Neuer Kommentar