6 Mythen über Fürsorge im Faktencheck
Shownotes
Verbessert Homeoffice wirklich die Vereinbarkeit? Sind Frauen von Natur aus einfühlsamer? Und schadet die Elternzeit der Karriere?
Diesen Beitrag liest eine erfundene Stimme vor, geschrieben hat ihn Paul Fenski.
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00:00:00: Die Stimme, die diesen Artikel vorliest ist erfunden.
00:00:03: Mich gibt's aber wirklich!
00:00:05: Ich bin Paul Fensky, Redakteur bei Neune Narrative und Autor dieses Artikels.
00:00:11: Schön, dass du am Start
00:00:12: bist.".
00:00:14: Verbessert Homeoffice wirklich die Vereinbarkeit?
00:00:17: Sind Frauen von Natur aus einfühlsamer?
00:00:20: Und schadet die Elternzeit der Karriere?
00:00:26: Sechs Mythen im Faktencheck – von Paul Fanski.
00:00:30: Erster Mythos Wer ein Jahr Elternzeit nimmt, riskiert seine Karrieren.
00:00:36: Das stimmt.
00:00:38: Seit sieben dürfen Eltern insgesamt vierzehn Monate Elterngeld beziehen, ein einzelnes Elternteil aber maximal zwölf Monate.
00:00:46: Wenn also nur die Mutter-Elternzeit nimmt geht der Anspruch auf zwei Monate Elterngeld flöten.
00:00:51: Um die volle Bezugsdauer auszuschöpfen nehmen viele Väter heute zwei Monate Elternzeit wofür sich der Begriff Vätermonate eingebürgert hat.
00:01:01: Auch wenn den Großteil der Elternzeit immer noch Frauen nehmen, hat die Maßnahme dazu geführt, dass heute deutlich mehr Väter überhaupt Elternzeit nehmen – und zwar knapp die Hälfte von ihnen.
00:01:11: Fünfundsiebzig Prozent davon jedoch nur die zwei Vätermonate.
00:01:15: Viele Männer begründen das mit den negativen Auswirkungen auf ihre Karriere und den finanziellen Einschnitten für die Familie.
00:01:22: Das Basiselterngeld beträgt in der Regel fünfundsechzig Prozent des Einkommens und Männer verdienen noch immer mehr sodass der anteilige Wegfall ihres Gehalts das Haushaltseinkommen stärker beeinflusst.
00:01:34: Tatsächlich lässt sich bereits nach diesen zweiten Monaten ein negativer Effekt auf das Gehalt als Maßstab für die Karriere feststellen.
00:01:41: Während das Einkommen von Vätern, die keine Elternzeit genommen haben – sieben Jahre nach der Geburt des Kindes um einundzwanzig Prozent gestiegen ist – ist dass der Väter mit Vätermonaten nur um neunzehn Prozent gestiehen und dass jener, die eine längere Elternzeitgenommen haben sogar nur um acht Prozent.
00:01:59: Dass der Unterschied bei letzteren so stark ist, liegt offenbar daran dass generell der Elternteil, der mehr Elternzeit nimmt häufiger auch danach den Hauptteil der Verantwortung für das Kind trägt und deshalb in Teilzeit weiterarbeitet was in der Regel schlechtere Karrieraussichten bedeutet.
00:02:15: Diese sogenannte Teilzeitfalle betrifft wiederum vor allem Mütter weil sie ja die meiste Elternzeit nehmen.
00:02:22: Zudem verlässt einer Studie von Stepstone zufolge ein Drittel aller Müttern nach der Elternzeit ihren Arbeitsplatz Und von denen, die zurückkehren bekommt ein Viertel eine weniger anspruchsvolle oft unterfordernde Position.
00:02:35: Ein Jahr Elternzeit bleibt damit ein Karriererisiko.
00:02:40: Zweiter Mythos?
00:02:41: Homeoffice löst das Vereinbarkeitsproblem.
00:02:46: Der Faktencheck sagt – eher ja!
00:02:49: Vielleicht kommt dir folgende Frage bekannt vor.
00:02:51: Musst du heute arbeiten oder machst du Homeoffices?
00:02:55: Tatsächlich gibt es einige Leute, die das digitale Äquivalent des Präsentismus also einer Kultur, die Leistung mit Präsenzsein gleichsetzt und die etwa die Überwachung der Aktivitätsanzeige mit einem Mausmover überlisten, der auch in Abwesenheit die Computermaus beständig kreisen lässt.
00:03:12: Es gibt sie also bestimmt – die Menschen, die das Homeoffice nutzen um zu chillen!
00:03:16: Die würden vermutlich aber auch im Büro nicht mehr leisten und sind ohnehin in der Minderheit.
00:03:21: Gerade wegen dieser Vorurteile über das Home-Office fühlen Menschen sich dort aber besonders verpflichtet abzuliefern.
00:03:28: Studien zeigen dass Leute im Homeoffice im Mittel nicht weniger, sondern mehr leisten.
00:03:34: Gerade solche mit Sorgeverantwortung entlastet es!
00:03:38: Sie sparen sich den Weg zur Arbeit und können mittags mit der in Pflege stehenden Mutter essen ohne dafür einen halben Arbeitstag ausfallen lassen zu müssen.
00:03:47: Damit das HomeoffICE diese Vereinbarkeit wirklich verbessert, müssen laut einer Überblicksstudie einige Bedingungen erfüllt sein.
00:03:54: Beschäftigte müssen?
00:03:56: Erstens Selbst entscheiden können wie und in welchem Maß sie im Homeoffice arbeiten.
00:04:02: Der Vereinbarkeit zuträglich ist es ab zweieinhalb Tagen.
00:04:06: Zweitens, Beschäftigte müssen emotional und organisatorisch unterstützt werden.
00:04:11: Hilfreich ist, wenn es Vorbilder im Unternehmen gibt die Sie ermutigen eine Grenze zwischen Berufs- und Privatleben zu wahren.
00:04:19: Drittens, Beschäftigte müssen außerdem anhand festgelegter Kriterien bewertet werden da gerade Frauen sonst häufig benachteiligt werden.
00:04:29: Viertens.
00:04:30: Sie müssen universellen Zugang, also unabhängig von ihrer Position die vertraglich festgeschriebene Möglichkeit zum Homeoffice haben.
00:04:38: Wenn dies aufgrund ihrer Tätigkeit gar nicht möglich ist, sollten Alternativen geprüft werden – z.B.
00:04:44: zeitflexibles Arbeiten.
00:04:47: Dritter Mythos.
00:04:49: Krippenbetreuung verbessert die Bildungschancen.
00:04:53: Das stimmt eher nicht!
00:04:55: Die Geburt eines Kindes stellt das Leben der Eltern auf den Kopf.
00:04:59: Prioritäten verschieben sich.
00:05:01: Nicht wenige stellen ihre Karriereambitionen plötzlich hinten an und ordnen alles dem Kindes wohl unter.
00:05:07: Aber denkt eigentlich auch mal irgendwer an die arme Wirtschaft?
00:05:11: Entscheidungen für das Kind sind schließlich Entscheidungen gegen den beruflichen Werdegang – ja, gegen die Volkswirtschaft insgesamt!
00:05:19: Deshalb gibt es Kinderkrippen, Betreuungseinrichtungen für Kinder bis zum vollendeten dritten Lebensjahr.
00:05:25: Sie sollen den Eltern ermöglichen, berufliche und familiäre Verpflichtungen besser zu vereinen.
00:05:31: Und ist das nicht vielleicht sogar gut fürs Kind?
00:05:34: Die Studienlage ist uneindeutig.
00:05:36: Zwar kam eine Bertelsmann-Studie zum Ergebnis, die frühkindliche Betreuung verbessere die Chancen auf den Besuch eines Gymnasiums.
00:05:44: Doch die Erhebung war methodisch zu schlecht um wirklich Aussagen über einen Ursache Wirkung Zusammenhang treffen zu können.
00:05:51: Tatsächlich kam die Studie des National Institute of Child Health and Human Development – die bisher umfassendste zur frühkindlichen Betreuungen Zu dem Schluss, dass Kinderkrippen mit sehr hoher Betreuungsqualität die sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten der Kinder verbessern.
00:06:07: Doch dieser Vorsprung geht im Laufe der Schulzeit wieder verloren.
00:06:11: Demgegenüber stehen die Auswirkungen auf die emotionale Entwicklung.
00:06:15: Je früher ein Kind eine Krippe besucht desto aggressiver und ungehorsamer wird es – und zwar anhaltend!
00:06:22: Werden also die möglichen Vorzüge frühkindlicher Betreuung im öffentlichen Diskurs überbetont während die Risiken heruntergespielt werden?
00:06:30: Zu diesem Schluss kommt etwa Psychoanalytikerin Silvia Kramerotti Landgraf in ihrer vielbeachteten Qualifikationsarbeit.
00:06:40: Vierter Mythos Wer Karriere machen will, muss die Ellenbogen ausfahren.
00:06:46: Dieser Mythos stimmt Unser Wirtschaftssystem basiert auf Wettbewerb – zumindest in der Theorie.
00:06:52: Das gilt für Unternehmen aber eben auch für die Menschen, die in diesen Unternehmen arbeiten und bedeutet dass viele Menschen ein Ziel verfolgen das nur wenige erreichen können.
00:07:02: Bekomme ich eine prestigeträchtige Position und eine Gehaltserhöhung, bekommt eine andere Person diese nicht.
00:07:09: Wer sich durchsetzen will muss also in Kauf nehmen das die anderen das Nachsehen
00:07:13: haben.".
00:07:15: Der Wirtschaftsethiker Karl-Hohmann argumentiert dass dieser Wettbewerb der moral entgegen steht – Die Moral habe nämlich mit Solidarität Liebe und Altruismus zu tun Und sie verlange vom Einzelnen Dass er seine Interessen den Interessen anderer nachordnet.
00:07:30: Man könnte also sagen, das Wettbewerb tatsächlich bedeutet die Ellenbogen auszufahren.
00:07:36: Ob es dann im Arbeitsalltag beim Karrieremachen wirklich so rücksichtslos zugeht ist stark abhängig von der Branche und der Organisation.
00:07:44: Häufig geht es am Ende darum in bestimmten Leistungsindikatoren zu bestechen wenn es auch nur bedeutet besonders lange im Büro zu hocken.
00:07:52: mit Solidarität Liebe und Altruismus hat es aber in der Regel wirklich wenig zu tun.
00:07:59: Fünfter Mythos Frauen sind von Natur aus einfühlsamer.
00:08:05: Ebenfalls ein wahrer Mythos!
00:08:08: Dass Frauen einfühlsamer sind, ist eine Binsenweisheit und als solche kaum umstritten.
00:08:13: In einem Experiment konnten Forschende zeigen dass Frauen besser und ihre Gehirne deutlich aktiver sind wenn es darum geht Gefühle anderer Menschen zu deuten wie auch die eigenen Gefühler als Reaktion auf die andere zu beschreiben.
00:08:26: Die eigentliche Frage aber ist ob dies von Natur Aus so isst Denn selbst plastische Veränderungen im Gehirn sind als Folge sozialer Formung denkbar.
00:08:37: Von wem erwartet wird einfühlsam zu sein, der wird dieser Erwartung entsprechen wollen und könnte daher diese überlegenen Fähigkeiten erst im Laufe seines Lebens entwickeln.
00:08:46: Um dieser Vermutung auf den Grund zu gehen haben Forschende in einer anderen Studie das Verhalten neugeborener Jungen-und Mädchen verglichen – und außerdem andere Nesthockerspezies untersucht, deren Kinder also ebenfalls hilflos zur Welt kommen wie wir Menschen!
00:09:01: Sie beobachteten, dass zumindest in einigen Fällen auch dort die Weibchen einfühlsamer sind als die Männchen.
00:09:06: Und das bereits neugeborene Mädchen häufiger mitweinen wenn andere weinen.
00:09:11: In für sie unsicheren Situationen Orientierung im Ausdruck von Bezugspersonen suchen und generell interessierter sind am Verhalten anderer.
00:09:21: Die Forschenden nehmen an, dass Einfühlungsvermögen entstanden ist weil es für das Überleben des Nachwuchses entscheidend war zu erkennen was dem Kind gerade fehlt.
00:09:30: Und da Frauen als gebärendes und stillendes Geschlecht die ersten und häufig auch Hauptsorge tragenden Bezugspersonen für das Kind sind, haben sie auf genetischer Ebene Veranlagungen diese Aufgabe besonders gut zu erfüllen.
00:09:43: Das heißt aber nicht dass Männer biologisch nicht geeignet sein ein Kind großzuziehen.
00:09:48: Zum einen sind die Unterschiede zwar signifikant, aber eher moderat.
00:09:53: Zum anderen hat eine im renommierten Fachmagazin Nature veröffentlichte Studie gezeigt dass die Fürsorge eines Kleinkins bei Vätern zu einer hohen Neuroplastizität führt, also eine Anpassung des Gehirns an die neue Aufgabe.
00:10:06: Es wäre spannend zu erfahren ob auch Hauptsorgetragende Väter in einem MRT-Scan Frauen in Sachen Einfühlungsvermögen unterlegen wären.
00:10:17: Sechster Mythos Männer, die sich viel kümmern gelten als Waschlappen.
00:10:23: Auch dieser Mythos stimmt.
00:10:25: Harald Schmidt der regelmäßige Traumschiff Passagier hat vor einigen Jahren im Interview gesagt Er habe sich nie zum Familientrottel machen lassen.
00:10:33: Oder wie er es nenne, Daddyweichei!
00:10:36: Die Mutter sitzt im Café und verändert die Welt – und er kriegt dem vollgekotsten Baby-im-Hip-Café auf allen Viren
00:10:42: hinterher.".
00:10:44: Jetzt gar nicht weiter.
00:10:45: auf die in der FAZ treffend beschriebene Dietanorisierung der Late Night Ikone eingehend bringt dessen Beschreibung doch gut zum Ausdruck mit welchen Stigmata Männer kämpfen, die den Rollenerwartungen an ihr Geschlecht nicht entsprechen.
00:10:57: Sie gelten als weich, schwächlich, feige... als Waschlappen eben.
00:11:03: So bekommen Männer die Elternzeit nehmen, auch häufiger abfällige und abwertende Kommentare zu hören als Frauen.
00:11:09: Zwar will fast die Hälfte der Väter genauso an der Erziehung teilhaben wie die Mutter – doch in nur einundzwanzig Prozent der Familien ist das auch der Fall!
00:11:17: Woran das liegt?
00:11:18: Vor allem daran dass von Vätern geleistete Erwerbsarbeit gesellschaftlich noch immer ein viel höheres Ansehen genießt, Für eine tatsächliche Egalisierung ist vielmehr ein grundlegender Wandel im Geschlechter- und Anerkennungsverhältnis notwendig.
00:11:34: Resumiert Soziologin Stephanie Aunkofer in ihrer qualitativen Studie.
00:11:39: Looking at you, Dirty
00:12:15: Harry!
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