Was macht eigentlich ein*e Mental-Health-Ersthelfende*r?
Shownotes
Immer mehr Menschen fallen wegen psychischer Erkrankungen aus. Verantwortungsvolle Organisationen reagieren darauf und bilden Ersthelfer*innen aus.
Diesen Beitrag liest eine erfundene Stimme vor, geschrieben hat ihn Charleen Rethmeyer.
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Transkript anzeigen
00:00:00: Hallo, ich bin Charlene Riedmeier, Redakteurin bei neuen Narrative und Autoren dieses Artikels.
00:00:06: Die Stimme die diesen Artikel gleich vorliest ist künstlich – aber mich gibt's wirklich!
00:00:12: Und ich wünsche dir viel Spaß beim Anhören!
00:00:15: Immer mehr Menschen fallen wegen psychischer Erkrankungen aus.
00:00:19: Verantwortungsvolle Organisationen reagieren darauf und bilden Ersthelferinnen aus.
00:00:28: Was machen eigentlich Mental Health-ErstehelferInnen?
00:00:31: Von Charlene Reed Meier.
00:00:33: Als eine Kollegin ihr beim Kaffee erzählt, dass eine ihr nahestehende Person sich in einem psychischen Ausnahmezustand befinde und sie total überfordert sei – weiß Annie Marx was zu tun ist.
00:00:44: Sie fragt die Kollegin ob sie Hilfe benötigt und leitet ihr Informationen zur Beratungsstellen weiter.
00:00:50: Als People-Verantwortliche bei Neue Narrative war es für Marx naheliegend, sich zur Mental Health erst helfenden Weiterbilden zu lassen.
00:00:58: Bei Problemen oder gar Krisen ist sie für viele Mitarbeitenden die erste Ansprechpartnerin im Unternehmen.
00:01:05: Sie wollte lernen, wie sie in solchen Situationen reagiert.
00:01:10: Oft vergehen Jahre oder sogar Jahrzehnte bis Menschen mit psychischen Krankheiten Unterstützung bekommen.
00:01:16: Diesen Zeitraum wollen wir durch Mental Health First Aid verkürzen, erklärt Isabella Teresa Saul.
00:01:23: Sie isst Psychologin und bildet MHFA-Ersteilfende aus.
00:01:29: leisten das psychologische Pendant zur körperlichen ersten Hilfe.
00:01:34: Sie behandeln oder diagnostizieren nicht selbst, sondern unterstützen bis professionelle Hilfe da
00:01:39: ist.".
00:01:40: Bei einem schweren Autounfall rennen wir ja auch nicht mit der verletzten Person zu uns nach Hause und operieren sie auf unserem Küchentisch", sagt Saul.
00:01:49: Und so sind auch MHA ersthelfende kein ausgebildetes Fachpersonal – keine Psychotherapeutinnen!
00:01:55: Saul nennt sie stattdessen Brückenbauer-Innen.
00:01:58: Sie schlagen eine Brücke von der betroffenen Person in das professionelle Helfernetzwerk.
00:02:05: Zeit zu handeln!
00:02:08: Im besten Fall kümmert sich die Organisation darum, dass Betroffene Zugang zu professioneller Hilfe bekommen – etwa durch eigene Beratungsstellen oder Employee Assistance Programmes.
00:02:19: Das sind externe anonyme Mitarbeiterberatungsstellen oft angebunden an Gesundheitsdienstleister oder per Mental Health Apps.
00:02:27: Zusätzlich lernen MHFA-Ersthelfende in der Weiterbildung ehrenamtliche und staatliche Angebote kennen, an die sie Betroffene verweisen können.
00:02:36: Ohne Anschlussmöglichkeiten droht die Unterstützung von den Betroffenen bei den jeweiligen MHFA Ersthelfenden hängen zu bleiben.
00:02:44: Saul sieht bei Organisationen generell zunehmenden Handlungsdruck.
00:02:49: Psychische Erkrankungen verursachen ungefähr seit zwanzig Jahren immer mehr Arbeitsausfälle.
00:03:03: Am häufigsten werden Menschen aufgrund von Depressionen krankgeschrieben.
00:03:08: Die Belastung ist dort besonders hoch, wo Menschen sich beruflich um andere kümmern.
00:03:13: In Kitas und Pflegeheimen liegt die Zahl der psychisch bedingten Fehltage mit fivehundertsechsundachtzig beziehungsweise fünfhundertdreiundsiebzig Tagen je hundert Beschäftigte bis zu einundsiebzig Prozent über dem Durchschnitt.
00:03:26: Doch von psychischen Krisen sind natürlich Menschen in allen Berufsgruppen betroffen und KollegInnen wissen oft nicht, wie sie am besten helfen können.
00:03:37: MHFA Ersthelfende und ihre Kernaufgaben erstens erkennen zieht sich jemand plötzlich zurück?
00:03:47: wirkt eine Kollegin seit Wochen gereizt?
00:03:50: Wirkt ein Kollege Will seine Aussagen zusammenhangslos?
00:03:54: Im MHFA-Ersthelferkurs lernen Teilnehmende solche Signale zu deuten.
00:03:58: Der Kurs vermittelt Wissen über die häufigsten psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Substanzgebrauchsstörungen oder psychotische Störungen.
00:04:07: Zweitens Ansprechen.
00:04:10: Anschließend lernen die Teilnehmen den Wie sie ihre Beobachtung angemessen an die betroffene Person herantragen.
00:04:17: Im Kern geht es darum Belastungen wahrzunehmen und diese behutsam ansprechen.
00:04:21: zum Beispiel Mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit oft gefehlt hast und sehr erschöpft wirkst.
00:04:27: Geht es dir gut?
00:04:29: Lass die Person ausreden!
00:04:31: Bewerte oder unterbreche nicht – und spiele die Sorgen nicht herunter.
00:04:37: Weise dann auf Hilfsangebote hin zum Beispiel den Betriebsarzt-, die Telefonseelsorge- oder psychologische Beratung.
00:04:44: Ermutige die Person sich professionelle Hilfe zu holen.
00:04:48: Frage nach persönlichen Ressourcen.
00:04:51: Gibt es Menschen im Umfeld, die unterstützen können Selbsthilfegruppen, Dinge die Freude bereiten?
00:04:57: Drittens – Einschätzen.
00:05:00: Je nachdem wie gravierend die ersthelfende Person die Situation einschätzt, sorgt sie für sofortige Hilfe oder erarbeitet einen längerfristigen Plan.
00:05:08: Saul unterscheidet zwischen Krisenmodus und Nichtkrisenmoduss.
00:05:12: Im Krisen-Modus zählt jede Minute Egal ob akute Situationen wie akute Suizidalität oder schwere psychotische Zustände.
00:05:21: MHAFAA Ersthelfende wenden sich in diesen Fällen an die psychosozialen Nothilfenummern wie den psychiatrischen Krisendienst und in lebensgefährlichen Situationen an der Notdienst.
00:05:32: Im Nicht-Krisen-Modus ist die Person vielleicht überfordert, depressiv oder spricht überwachsende Ängste und braucht zwar Unterstützung aber keine sofortige Hilfe.
00:05:41: Hier haben MHFA erst helfende Zeit Gespräche vorzubereiten und passende Hilfsangebote herauszusuchen.
00:05:49: MHFA-Erstehelfende müssen auch die eigenen Grenzen im Blick behalten und sich ehrlich fragen, ob sie selbst gerade belastet sind.
00:05:56: Und inwiefern das Thema Sie persönlich herausfordert?
00:06:00: In diesem Fall verweisen Sie besser auf jemand anderen.
00:06:03: Denn im Effekt passiert es schnell zu viel zu versprechen.
00:06:06: Hilfsangebote lassen sich immer erweitern – aber kaum zurücknehmen!
00:06:12: MHFA Erstehälfende brauchen ein Fürsorgesystem.
00:06:18: Viele Menschen lassen sich aus persönlichem Interesse zu MHFA-Ersteilfenden ausbilden.
00:06:23: So saul!
00:06:24: Organisationen sollten jedoch darauf achten, eine echte Struktur für die mentale Gesundheit ihrer Mitarbeitenden aufzubauen und nicht auf das Engagement einzelner zu zählen.
00:06:34: Drei Punkte sollten sie besonders beachten.
00:06:37: Erstens Teams statt Einzelpersonen Ausbilden.
00:06:41: Eine einzelne Person als MHFA Ersteilffende für einen ganzen Konzern?
00:06:46: Solches Szenarien hält Saul für verantwortungslos und nicht nachhaltig.
00:06:51: Besser sei es, in allen Bereichen und Teams ersthelfende auszubilden so dass alle Mitarbeitenden eine Ansprechperson in der Nähe haben wie auch bei der körperlichen ersten Hilfe Denn wer allein ist trägt die Last ebenfalls alleine Und verspricht im Zweifel mehr als er oder sie halten kann.
00:07:10: Gemeinsam lassen sich Fälle besprechen Unsicherheiten klären und Verantwortung teilen.
00:07:15: Für den Austausch über die eigene Organisation hinaus gibt es MHFA-Netzwerke, in denen ersthelfende externe Supervision und Intervision in Anspruch nehmen können.
00:07:26: Zweitens Die Rolle sichtbar machen und Vertrauen aufbauen.
00:07:32: MHFA Ersthelfende sollten für Außenstehende klar erkennbar in ihrer Rolle sein.
00:07:37: Dazu gehören transparente Strukturen – beispielsweise ein eigener Raum oder eine klare Präsenz im Internet der Organisation in Newslettern oder internen Chats.
00:07:47: Niedrigschwellige Angebote wie Workshops zu den Themen Stressmanagement, oder Schlafprobleme die manche Organisationen anbieten können zusätzlich Vertrauen aufbauen Denn Mitarbeitende nehmen Unterstützung eher in Anspruch wenn sie die Personen hinter der Rolle kennen und einschätzen können.
00:08:04: Drittens Management-Ebene und Führungskräfte sensibilisieren Wie offen eine Organisation über mentale Gesundheit spricht beeinflusst, ob Mitarbeitende die Angebote der MHFA Ersthilfenden tatsächlich in Anspruch nehmen.
00:08:19: In Unternehmen mit ausgeprägter Leistungskultur traut sich niemand, sich krank zu melden – geschweige denn zur Mental Health-Sprechstunde zu gehen!
00:08:28: Führungskräfte haben dabei eine Vorbildfunktion.
00:08:31: Wenn ein Teamleiter erzählt dass er wegen Burnout Gefahr kürzer tritt oder eine Abteilungsleiterin sich zur MHFA Ersteilfenden ausbilden lässt sendet das ein klares Signal.
00:08:41: Hier ist es okay, auch einmal nicht zu funktionieren.
00:08:45: Wie lassen sich MHFA's in einer Großorganisation koordinieren?
00:08:49: Ein Beispiel aus der Praxis!
00:08:52: Seit Jahrzehntausendundzwanzig gewinnt das MHFA Ersthelferkonzept an der Friedrich-Schiller-Universität Jena stetig an Bedeutung – nicht zuletzt weil die psychischen Belastungen von Studierenden und Beschäftigten in Deutschland zunehmen.
00:09:05: Seit Jahrzentuzehnundzwanzig wurde aus dem studentischen Gesundheitsmanagement heraus eine verlässliche Struktur aufgebaut Von der Ausbildung der Ersthelfenden bis hin zu einem niedrigschwelligen Gesprächsangebot, das von engagierten Beschäftigten und Studierenden getragen wird.
00:09:21: Das alles unter durchaus komplexen Bedingungen – ein dezentraler Campus und eine strukturell bedingte Fluktuation wenn Beschäftigte oder Studierende nach ihrem Abschluss die Universität verlassen!
00:09:33: Das Koordinationsteam begegnet dem mit kontinuierlicher Nachschulung sowie regelmäßiger Kommunikation zum Angebot.
00:09:40: ProSemester findet jeweils ein MHFA Ersthelferkurs für Studierende und ein Kurs für Beschäftigte statt.
00:09:47: Aktuell gibt es etwa hundertzwanzig ausgebildete MHFA-Ersteffende.
00:09:52: Davon sind pro Semester zehn aktive Ersteffender auf der Universitätswebsite gelistet und ansprechbar.
00:09:58: Gleichzeitig sollen möglichst viele Menschen diese Kenntnisse erwerben, um proaktiv auf Mitstudierende ohne als aktiv gelistete MHFA-Ersthelferin aufzutreten.
00:10:11: Seit Jahrzehntausendfünfundzwanzig wird das Programm aus dem Gesamtuniversitäten Gesundheitsmanagement für alle Statusgruppen angeboten, also für Studierende, Doktorandinnen und Postdocs sowie für die Beschäftigten.
00:10:24: Das ehrenamtliche Angebot ist ein unterstützendes Netzwerk innerhalb der Hochschulgemeinschaft und arbeitet eng mit der psychosozialen Beratung des Studierendenwerks sowie internen Fachbereichen und externen Beratungsstellen zusammen, um psychische Krisen frühestmöglich zu erkennen.
00:10:42: Die Zusammenarbeit wird fachlich von einer ausgebildeten MHFA-Instruktoren begleitet, die zugleich psychologische Psychotherapeutin ist.
00:10:51: Dass das Angebot anklangfindet, zeigt sich an einem unerwarteten Phänomen.
00:10:55: Mittlerweile erreichen die Universität Anfragen aus jener von Menschen, die keine Universitätsangehörigen sind – sich aber Hilfe suchen und Unterstützung wünschen!
00:11:05: Das zeigt uns, wie groß der Bedarf an niedrigschwelliger Unterstützung ist", sagt Julia Hoppe.
00:11:10: Die Gemeinsam mit Julia Storch das MHFA Ersthelferprogramm koordiniert.
00:11:17: Mentale erste Hilfe sollte selbstverständlich werden.
00:11:22: Mental Health Erstehelfende seien bislang selten strukturell in Organisationen eingebunden, sagt Isabella Teresa Saul.
00:11:30: Für die körperliche erste Hilfe am Arbeitsplatz gibt es gesetzliche Regelungen.
00:11:36: wie viele Ersthelfende es je nach Branche und Unternehmensgröße geben muss.
00:11:41: In Verwaltungs- und Handelsbetrieben ab zwanzig Beschäftigten sind das mindestens fünf Prozent der Belegschaft.
00:11:47: Für mentale erste Hilfe existiert eine solche Vorschrift nicht, dabei ist das nach Saul
00:11:51: naheliegend.".
00:11:53: Für Marx hat sich der MHFA Ersthelferkurs ausgezahlt.
00:11:57: Eine der wichtigsten Erkenntnisse für mich – ich kann Veränderungen bei anderen und meine Beobachtungen direkt ansprechen auch wenn es schwierige Themen sind!
00:12:06: Zum Beispiel die Frage, ob jemand an Suizid denkt.
00:12:09: Viele trauen sich das nicht zu fragen aus Angst etwas falsch zu machen.
00:12:13: Im Kurs habe ich gelernt dass ich es nicht nur darf sondern sogar sollte.
00:12:18: Das gibt mir unglaublich viel Sicherheit Und das sagt Marx ist letztlich das Wichtigste Takeaways.
00:12:36: Erstens MHFA-Ersthelfende sind keine Therapeutinnen.
00:12:41: Sie erkennen psychische Belastungen sprechen Betroffene an und begleiten sie zur professionellen Hilfe.
00:12:48: Zweitens, wer andere unterstützt muss die eigenen Grenzen kennen!
00:12:53: Drittens – ob mitarbeitende Hilfe in Anspruch nehmen hängt maßgeblich davon ab, ob Führungskräfte Offenheit vorleben und psychische Gesundheit im Arbeitsalltag enttabuisieren.
00:13:06: Vielen Dank an unsere Inputgeberinnen.
00:13:09: Isabella Teresa Saul ist Psychologin MSC Mit klinischem Schwerpunkt und arbeitet in der Versorgung psychisch erkrankter Menschen, sowie in einer Krisenhotline.
00:13:19: Freiberuflich ist sie seit drei Jahren als externe MHFA-Instruktorin in Zusammenarbeit mit MHFA Ersthelfer und dem ZI Mannheim tätig.
00:13:29: Annie Marks ist People Operations Specialist bei Neue Narrative.
00:13:34: Julia Hoppe und Julia Storch koordinieren an der Friedrich Schiller Universität Jena unter anderem das MHFA Angebot.
00:14:06: Ich bin's nochmal, Charlene.
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