Mehr Betriebsrat, mehr Demokratie
Shownotes
Sich in Mitarbeitervertretungen zu engagieren, kann demokratisches Bewusstsein stärken und sich auf Wahlergebnisse auswirken. Wer sagt’s den Wirtschaftslenkenden, die sich noch sträuben?
Diesen Beitrag liest eine erfundene Stimme vor, geschrieben hat ihn Juli Katz.
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00:00:00: sich in Mitarbeitervertretungen zu engagieren, kann demokratisches Bewusstsein stärken und sich auf Wahlergebnisse auswirken.
00:00:07: Wer sagt den Wirtschaftslänkenden die sich noch sträuben?
00:00:34: Darunter Player wie die Telekom, Bayer oder Tüßengruppe für ein geeintes Europa gegen Hass und Populismus.
00:00:42: Die Deutsche Bahn twittert dass Beatrix von Storch leider kein Rückfahrtticket aus der Wüste erhalte Und der Unternehmer Reinhold Wirth appelliert in einem Brief an seine siebenundzwanzigtausendköpfige Belegschaft nicht die AfD zu wählen.
00:00:57: Tatsächlich würden die Pläne der AfD der Wirtschaft erheblich schaden.
00:01:01: Sechshundertneunzig Milliarden Euro Einbußen bei der Brutto-Wertschöpfung, zwei Komma fünf Millionen verlorene Arbeitsplätze und hunderteinundachtzig Milliarden euro fehlende Steuereinnahmen.
00:01:12: Das sind die Zahlen, die das Institut der Deutschen Wirtschaft berechnet hat würden AfD Positionen umgesetzt.
00:01:20: Das ist ziemlich doll aber längst nicht alles Europa Migrations- und Energiepolitik der Partei laut Institute der deutschen Wirtschaft alles schädlich.
00:01:30: Und ob überhaupt noch Fachkräfte kämen, um hierzulande demografische Probleme lösen zu können – ist ja heute schon ein Problem.
00:01:38: Für viele Unternehmen würde eine mächtigere AfD also einen massiven Schaden bedeuten.
00:01:43: Deswegen finden Führungskräfte, Vorstände und Eigentümerinnen immer deutlichere und öffentlichkeitswirksame Worte, um sich gegen die in zahlreichen Bundesländern als gesichert rechtsextreem geltende Partei zu positionieren.
00:01:59: Mehr Betriebsrat?
00:02:00: weniger rechte Neigung?
00:02:04: Tatsächlich gibt es für Organisationen, die sich gegen einen Weltuntergang engagieren wollen, einen recht simplen Weg demokratische Positionen zu stärken.
00:02:13: Die Förderung eines Betriebsrats Eine Studie zeigt.
00:02:16: Inbetrieben mit Betriebesrat steigt die Wahrscheinlichkeit eines starken oder sehr starken politischen Interesses in der Belegschaft um fünf Prozentpunkte unter denen sie sich im Betriebersrat engagieren sogar um dreiundzwanzig Prozent.
00:02:31: So gesehen hilft Mitbestimmung nicht nur beim ökonomischen Erfolg des Unternehmens, sowie beim arbeitsrechtlichen Schutz aller Beschäftigten.
00:02:38: Sondern könnte sogar politischer Appatie entgegenwirken und so demokratische Prozesse stabilisieren.
00:02:46: Die Autor-Innen erklären dies mit der Political Spillover Theorie.
00:02:50: Dahinter steht die Idee dass Erfahrungen aus einem Lebensbereich hier der Arbeitsplatz in einen anderen Bereich den Politischen überschwappen.
00:03:01: Mitbestimmung dekonstruiert Hierarchien, stärkt das Wirksamkeitsgefühl.
00:03:06: Trainiert Fähigkeiten wie öffentliches Sprechen und fördert kollektive Interessen Effekte die sich auf das politische Engagement auswirken.
00:03:15: So findet demokratische Bildung vor allem dort statt wo die Menschen viel Zeit verbringen Auf der Arbeit.
00:03:23: Darüber hinaus fand das selbe Forschungsteam in einer weiteren Studie heraus, dass Beschäftigte in Betrieben mit betrieblicher Mitbestimmung eher Parteien unterstützen die im linken Spektrum oder in der linken Mitte zu verorten sind und sich für Arbeitnehmer Innenrechte Gleichstellung und Umverteilungen engagieren.
00:03:40: Das gilt sowohl für Vertretende als auch vertretene Mitglieder im Unternehmen.
00:03:45: Die Neigung zur rechtsextremen Partei sinkt signifikant sogar um fünfzig Prozent.
00:03:51: Festzustellen ist Mitarbeitende in Betrieben mit Betriebsrat zeigen tendenziell demokratischere Einstellungen.
00:03:58: Wieso?
00:03:59: Weil Betriebesratsarbeit das Bewusstsein für die politische Dimension der Arbeit erhöht, was wiederum zu mehr Solidarität führe!
00:04:07: Wenn Betriebersräte also politisch wirken können – wieso ist ihr Image so
00:04:12: unsexy?!
00:04:13: Warum führt allein ihre Erwähnung bei vielen ArbeitgeberInnen zur Schnappatmung und warum gibt es sie so selten?
00:04:21: Zwei-tausenddreiundzwanzig gab es laut einer Institut der Deutschen Wirtschaftsstudie gerade mal in sieben Prozent aller Betriebe einen Betriebsrat.
00:04:29: Und es werden seit Jahrzehnten weniger.
00:04:31: Teilweise liegt das daran, dass Menschen keinen Sinn darin sehen sich zu engagieren – beispielsweise wenn sie befristet und nur kurz im Unternehmen sind.
00:04:40: Zu Hauf wird die Gründung von Betriebersräten aber auch aktiv verhindert.
00:04:45: Laut Hans Böckler-Institut betrifft das jede fünfte Betriebesrat Neugründungen insbesondere in inhabergeführten Unternehmen.
00:04:53: Gerade bei Start-ups im Wachstum herrscht das Argument, dass es schlicht und ergreifend keine Probleme gäbe die ein Rad regeln müsste – ja noch!
00:05:03: Immerhin kann im sehr kleinen Team zu Anfang mit allen kommuniziert werden.
00:05:08: In dieser Phase positionieren sich auch viele Arbeitnehmende gegen Betriebsratsarbeit Doch sobald das Unternehmen größer wird funktionieren diese Anfangs als freundschaftlich interpretierten Strukturen oft nicht mehr.
00:05:20: Sobald die ersten Entscheidungen für den Profit fallen, oft auf Kosten der Arbeit nehmenden, bricht das Konstrukt ein.
00:05:27: In solchen Krisen- und Umbruchphasen finden Betriebsratsgründungen am häufigsten statt.
00:05:33: Schließlich ist ein Betriebesrat eine gewählte Interessenvertretung und soll die Belegschaft schützen heißt konkret in sozialen personellen und wirtschaftlichen Angelegenheiten mitbestimmen Arbeitsschutz und Gleichstellung fördern und Beschwerden entgegennehmen.
00:05:49: So steht es im Betriebsverfassungsgesetz.
00:05:51: Konkret bedeutet das etwa, zu prüfen ob Unfallverhütungsvorschriften eingehalten werden und über Arbeitszeit-und Urlaub zu verhandeln.
00:06:00: Ein Betriebesrat ist also ein Gremium, dass sich für die Belange und Interessen der Arbeitnehmenden stark macht.
00:06:07: Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung arbeitet der Betriebersrat also nicht gegen Arbeitgebende sondern vor allem für Arbeitneemende.
00:06:16: Medial wird über Betriebsräte allerdings selten als Gewinn berichtet.
00:06:20: Häufiger sind die Meldungen, dass sich mal wieder wer sträubt oder sich einer Gründung widersetzt – ist zwar verboten aber trotzdem gängige Praxis.
00:06:30: Als zwei Tausend zwanzig beispielsweise ein paar engagierte Mitarbeitende des Fintech-Unternehmens N-Sixundzwanzig einen Betriebesrat gründen wollten erklärten die beiden Gründer ihren Missmut per Mail damit das Einbetriebsrat das Unternehmen verlangsame in einem hyper-Wettbewerbsintensiven Umfeld, allerdings Geschwindigkeit der Schlüssel zum Erfolg sei.
00:06:52: Außerdem werde die Zusammenarbeit hierarchischer und konfrontativer.
00:06:56: Überhaupt sei ein Betriebsrat kein zeitgemäßes Instrument des Mitarbeiterengagements.
00:07:03: Auch Unternehmen wie Flink, HelloFresh, Gorillaz & Smava machten in den vergangenen Jahren negativ Schlagzeilen.
00:07:11: Mal sollen akut Betriebesratsgründungen verhindert worden sein.
00:07:14: In einem anderen Fall wurden einzelne Warenlagerstandorte kurzerhand in Franchise-Unternehmen umgewandelt, in denen stadtweite Betriebsräte nicht aktiv werden dürfen.
00:07:24: In Branchen, in den in Stellenausschreibungen mit flachen Hierarchien geworben wird, wird hintenrum betriebliche Mitbestimmung anscheinend gerne mal erschwert.
00:07:33: Doch die Großen stehen dem hinsichtlich dieser Praxis in nichts nach – auch bei Lidl, Aldi, Burgerking, Hyundai, Amazon, Obi, Legoland, Birkenstock und UPS ist es zu Union Busting gekommen, wie der Deutsche Gewerkschaftsbund listet.
00:07:49: Union Basting – also wörtlich übersetzt Gewerkschaften-Sprengen bedeutet das Arbeitgebende systematisch und organisiert gegen gewerkschaftliche und betriebsrädliche Interessenvertretungen vorgehen.
00:08:01: Das ist zwar laut Betriebsverfassungsgesetz strafbar Darauf steht eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe.
00:08:08: In der Praxis passiert häufig allerdings nichts.
00:08:11: Stattdessen unterstützen spezialisierte Anwaltskanzleien und Wirtschaftsdetektein dabei, Wahlen zu verhindern, strategisch Kandidatinnen herauszukaufen oder zu leitenden Angestellten zu befördern.
00:08:23: Auch Bestechung – getarnt als Maßnahmen zur Steigerung der betrieblichen Effektivität ist eine gängige Methode.
00:08:49: Prüfen wir die Argumente der N-Sechsohnzwanzig Gründer einzeln.
00:08:54: Argument eins Ein Betriebsrat ist nicht zeitgemäß.
00:08:58: Er verlangsamt das Unternehmen.
00:09:01: Tatsächlich kann ein Betriebsrat das Unternehmen verlangsamen, weil er dafür zuständig ist.
00:09:06: dass der Chef nicht durchdreht sondern gesetzeskonform handelt Ist zwar langweiliger geht auf Dauer aber weniger auf den Rücken.
00:09:14: Bestes Beispiel ist wahrscheinlich die Gig Economy.
00:09:18: Sie toleriert oft prekäre Arbeitsbedingungen zahlt gern unregelmäßig oder manchmal gar nicht und damppt Preise.
00:09:25: Viele Menschen dort verdienen unter dem Existenzminimum.
00:09:28: Häufig sind Gig-Workerinnen, Solo selbstständige ohne Absicherung.
00:09:33: gemeinsam aktiv zu werden ist also umso schwieriger.
00:09:36: Schwangerschaft, Krankheit, Armbruch – dein Problem!
00:09:41: Aber wenn es die zeitgemäße Einstellung von Arbeitgebenden ist ihre mitarbeitenden gesundheitsgefährdenden Risiken auszusetzen ist es ebenso zeitgemäß dass diese sich dagegen wehren.
00:09:53: Arbeitgebende haben Fürsorgepflicht müssen also die Gesundheit ihrer Angestellten bewahren und Gefahren erkennen und abwenden.
00:10:01: Betriebsräte überwachen genau das.
00:10:04: Meistens steckt hinter dem Vorwurf, Betriebesräte seien nicht zeitgemäß – die Angst dass unternehmerische Freiheiten eingeschränkt werden.
00:10:13: Dahinter steht oft eine Herr im Hausmentalität also der Gedanke, dass Unternehmen am besten funktionieren wenn nur eine Person meistens die gründende Person das Sagen hat.
00:10:24: Empirische Belege gibt es dafür nicht.
00:10:27: Im Gegenteil Langfristig sind die Produktivität und Stabilität mit Betriebsrat höher.
00:10:35: Argument zwei Mit einem Betriebesrat wird die Arbeit hierarchischer.
00:10:42: Das ist schlichtweg quatsch-und völlig unlogisch.
00:10:45: Wer schon mal angestellt war, wird wissen dass Unternehmen alles andere als herrschaftsfreie Räume sind.
00:10:50: Im Gegenteil Eine Partei verkauft Arbeitskraft Die andere Partei verfügt darüber.
00:10:56: So der Deal.
00:10:57: Machtansprüche im Anstellungsverhältnis sind deswegen immer unausgewogen.
00:11:02: Ganz einfach, weil die einen entscheiden wer wann wie und wie lange arbeitet und Zuschläge Beförderungen oder Urlaubsansprüchen erhält und die anderen eben nicht.
00:11:12: Hierarchie ist also per se vorhanden aber als angestellten Vertretung sorgen Betriebsräte für ein ausgeglicheneres Verhältnis weniger Willkür mehr Struktur denn in dem Rechte an eine kleine Zahl von Leuten für eine lange Zeit vergeben werden, wie die N-twanzig Gründer in ihrem Schreiben warnen.
00:11:32: Werden Probleme nicht mehr individuell mit der Geschäftsführung ausgehandelt sondern es wird strukturell nach Lösungen gesucht.
00:11:39: so ein Ansatz dürfte vielen Menschen bekannt vorkommen zumindest wenn sie sich für parlamentarische Demokratie interessieren.
00:11:47: Macht wird neu verteilt und die Hierarchie dekonstruiert ist ja Sinn der Sache.
00:11:55: Argument drei Mit einem Betriebsrat wird die Arbeit konfrontativer.
00:12:02: Das kann sein, denn der Job von Betriebersräten ist nicht Harmonie herzustellen – immerhin vertritt er ja die Arbeit nehmenden, hört sie bei Sorgen und Ungerechtigkeiten an und konfrontiert die Arbeitgebenden damit!
00:12:15: Er macht also Konflikte sichtbar und kanalisiert sie.
00:12:20: Statt Eskalation kommt es so zum institutionalisierten Austausch.
00:12:25: Im besten Fall baut dieser Spannungen ab und stabilisiert langfristig.
00:12:29: Daher sind Betriebsräte der sogenannten Friedenspflicht verpflichtet, heißt sie verzichten während der Laufzeit eines Tarifvertrags auf Streiks, Aussperrungen und andere Arbeitskämpfe sondern fördern den Betriebfrieden indem Sie für ein störungsfreies Miteinander statt Eskalation sorgen.
00:12:49: Argument Vier Ein Betriebesrat kostet Das stimmt.
00:12:55: Zunächst Betriebersratsarbeit gilt als Ehrenamt und wird nicht gesondert vergütet.
00:13:00: Um sie zu leisten, müssen Mitarbeitende allerdings während ihrer regulären Arbeitszeit für Gespräche Sitzungen- und Schulungen freigestellt werden.
00:13:09: Sie werden also bezahlt, während sie ihren normalen Job nicht machen.
00:13:14: Das verursacht direkte Kosten.
00:13:16: Diese tragen Arbeitgebende allein.
00:13:18: Sie fallen desto deutlicher ins Gewicht je kleiner das Unternehmen ist.
00:13:24: Konkrete Zahlen zu finden ist schwer.
00:13:26: Diesen Kosten steht laut ökonomischer Studien allerdings gegenüber, dass betriebliche Mitbestimmung Gewinne steigert.
00:13:32: Also wieder Geld reinbringt.
00:13:34: Ohne Betriebsrat sind Mitarbeitende unzufriedener und bleiben kürzer im Unternehmen – auch das kostet!
00:13:42: Die genauere Betrachtung der Argumente gegen Betriebesräte zeigt nur, dass sie soziale Gerechtigkeit und wirtschaftlichen Erfolg im Betrieb stärken.
00:13:50: Sie schützen die Belegschaft vor Willkür, setzen sich für faire Bedingungen ein und steigern durch Mitbestimmung die Zufriedenheit.
00:13:58: In unsicheren Zeiten, in denen Rechtsextremistinnen vermehrt in Machtpositionen gelangen, stärken sie die Resilienz von Unternehmen und Angestellten gleichermaßen indem Sie Konflikte lösen und Innovationen begleiten.
00:14:11: Wenn das Engagement dann noch die Demokratie fördert was spricht dann noch dagegen?
00:14:26: Takeaways Erstens Betriebsräte stärken die Demokraties.
00:14:32: Beschäftigte in Betrieben mit Betriebsrats sind politisch interessierter und neigen seltener zu rechtsextremen Parteien.
00:14:39: Denn demokratische Bildung findet vor allem dort statt, wo Menschen viel Zeit verbringen – auf der Arbeit!
00:14:45: Zweitens Die gängigen Einwände gegen Betriebesräte halten einer Prüfung nicht stand.
00:14:51: Betriebe mit Betriebrats sind langfristig produktiver, haben weniger Streiks- und zufriedenere Mitarbeitende.
00:14:58: Drittens Betriebersräte verschwinden obwohl sie gebraucht werden.
00:15:02: Nur sieben Prozent der Betriebe haben noch einen.
00:15:05: Jede fünfte Neugründung wird aktiv verhindert.
00:15:08: Solange Union Busting nicht bestraft wird, bleibt ein wirksames Instrument gegen Präkarität und Demokratie-Erosion ungenutzt.
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