Milliardärserben schaden dem Ruf ehrlicher Unternehmer*innen

Shownotes

In dieser Kolumne geht es um die Frage, wie wir Vielen der Herrschaft der Wenigen etwas entgegensetzen können. Darum, wie wir unsere Demokratie erhalten und uns gegen die autokratischen Bestrebungen von Überreichen verteidigen. Diesmal: 0,02 Prozent der deutschen Unternehmen bestimmen die Debatte um Erbschaftssteuer und Vermögen. Das ist kein Zufall, sondern Strategie.

Diesen Beitrag liest eine erfundene Stimme vor, geschrieben haben ihn Svenja Behrens und Sebastian Klein.

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00:00:00: In

00:00:17: dieser Kolumne geht es um die Frage, wie wir vielen der Herrschaft der Wenigen etwas entgegensetzen können.

00:00:22: Darum – wie wir unsere Demokratie erhalten und uns gegen die autokratischen Bestrebungen von Überreichen verteidigen!

00:00:29: Diesmal Null, null.

00:00:32: zwei Prozent der deutschen Unternehmen bestimmen die Debatte um Erbschaftssteuer und Vermögen.

00:00:37: Das ist kein Zufall sondern Strategie!

00:00:45: Milliardärserben schaden dem Ruf ehrlicher Unternehmerinnen von Sebastian Klein und Svenja Behrens.

00:00:52: Stell dir vor du bist Teil einer reichen mächtigen Familiendynastie Und möchtest auf dein geerbtes Vermögens keine Steuern zahlen.

00:01:00: Du nimmst an dass die meisten Menschen wenig Sympathien für dieses Anliegen hätten und möchte es daher nicht selbst damit in Erscheinung treten.

00:01:08: Wäre es da nicht klasse, wenn vermeintlich objektive Expertinnen dem Rest der Nation erklärten wie so ist für alle gut wäre, wenn du keine Steuern bezahlst?

00:01:19: Doch wer würde einen Verband in Talkshows mit PolitikerInnen einladen oder Gastbeiträge in großen Zeitungen schreiben lassen – Der Lobbyverband Deutscher Oligarchen oder Interessenvertretung?

00:01:29: der Milliardärserben heißt wahrscheinlich niemand!

00:01:33: Also nennst du deinen Verband die Familienunternehmer oder Stiftung-Familienunternehmen und inszenierst ihn als Vertreter kleiner Handwerksbetriebe, etwa dem Bäcker von nebenan und mittelständischer Unternehmen.

00:01:45: Und auf einmal sind deine Leute in jeder Talkshow vertreten und dürfen sich zu allem äußern was die Wirtschaft, die Unternehmen und die Interessen der großen Mehrheit betrifft.

00:01:57: Der Begriff Familienunternehmen ist in Deutschland fast durchweg positiv konnotiert.

00:02:02: Dabei ist es höchst bedenklich, wenn riesige Vermögen und die Kontrolle über mächtige Konzerne entlang der Blutlinie vererbt werden.

00:02:10: Bei politischer Macht akzeptieren wir das längst nicht mehr – bei wirtschaftlicher Macht sehen wir es als etwas Positives.

00:02:18: Dabei schadet das nicht nur der Demokratie sondern auch den Unternehmen wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigen.

00:02:24: Da Erbende nicht zwingend kompetent sind ein Unternehmen zu führen, ist es auch für die Leistungsfähigkeit des Unternehmens von Nachteil wenn die Kontrolle in einer Familiendynastie gehalten wird.

00:02:36: Immer wieder gelingt es in Deutschland, eine kleinen Minderheit unter dem Banner des Familienunternehmertums ihre Interessen mehrheitsfähig zu machen oder sogar den Anschein zu erwecken – sie wären mit den Interessen des Rests der Gesellschaft identisch!

00:02:49: An der Debatte um die Erbschaftssteuer lässt sich das gut beobachten.

00:02:55: Um es direkt zu sagen, In ihrer heutigen Ausgestaltung ist die Erb- schaftsteuer nicht nur extrem ungerecht sondern meiner Meinung nach auch verfassungswidrig.

00:03:05: Denn sie behandelt verschiedene Vermögensformen sehr unterschiedlich und bietet Erbenden, sehr großer Vermögen, zahlreiche Möglichkeiten sich von der Erbschaftssteuer befreien zu lassen etwa durch die sogenannte Verschonungsbedarfsprüfung.

00:03:18: Das führt dazu dass die Erbende in allergrößten Vermögend im Schnitt sehr viel weniger Steuer bezahlen als Menschen die weit weniger erben.

00:03:27: Darin liegt meine Meinung nach eine Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes.

00:03:32: Einen entsprechenden Fall prüft das Bundesverfassungsgericht derzeit.

00:03:36: Eine Entscheidung wird noch dieses Jahr erwartet.

00:03:39: Bereits im Januar, für eine Reform der Erbschaftssteuer hat die SPD ihre Pläne vorgestellt.

00:03:46: Diese hätten zur Folge, dass künftig auf schätzungsweise neunundneinzig Prozent der Erbschaften in Deutschland gar keine Erbshaftsteuer mehr fällig würde.

00:03:55: Sie wären also nicht oder positiv betroffen, während die Erbenden sehr großer Vermögen dank der Streichung von Ausnahmen endlich ihren angemessenen Beitrag leisten würden.

00:04:06: Doch anders als aus dem Jahr zwei Tausendsechzehn, als die Verschonungsbedarfsprüfung still und heimlich ins Gesetz lobbyiert wurde ist die Diskussion um die Erbschaftssteuer diesmal ziemlich laut.

00:04:17: Unternehmerinnen, die behaupten – Der SPD-Vorschlag würde zu reihenweise Insolvenzen und Massenabwanderungen führen werden quer durch die Medien gereicht.

00:04:27: Clemens Füst, Leiter des IFO-Instituts, äußert im ARD Morgenmagazin Unternehmen würden dadurch zur Hälfte enteignet und auch Matthias Middelberg von der CDU macht sich große Sorgen Die Reform könne dazu führen dass deutsche Unternehmen wie Otto nicht mehr mit amerikanischen Firmen wie Amazon konkurrieren könnten.

00:04:48: Und so bekommt man den Eindruck es handele sich bei einer solchen Erbschaftssteuerreform um eine Katastrophe, die die gesamte Gesellschaft in den Abgrund reißen könnte.

00:05:00: Wir sind die Wirtschaft – die Täuschungsstrategien der Lobby!

00:05:04: An der Erzählung zeigt sich wie unser öffentlicher Diskursraum von Lobbyverbänden wieder Stiftung Familienunternehmen oder dem Verein, die Familienunternehmer gekapert wurde.

00:05:14: Wie groß dieses Problem tatsächlich ist, ist mir selbst erst klar, seit ich mich aktiv in diesem Diskursraum bewege.

00:05:22: Seit ein paar Jahren setze ich mich als Mitglied für Steuergerechtigkeit ein.

00:05:27: Wir fordern, dass Deutschland Österreich und die Schweiz eine gerechtere Erbschaftssteuer bekommen – das bedeutet, dass reiche Menschen mehr Steuern bezahlen als nicht reiche.

00:05:38: Das sehrreiche Menschenmehr Steueren bezahlen also Reiche Menschen und das entsprechend extrem reiche die meisten Steuersbezahlen.

00:05:47: Als Vertreter von Tax Me Now sitze ich immer wieder in Streitgesprächen, Diskussionsrunden.

00:05:54: Fast immer ist ein Lobbyist oder eine Lobbyisten aus dem Lager der sogenannten Familienunternehmen dabei, um zuverlässig die Narrative runterzubeten mit denen die Lobby seit Jahren die Diskussionen vergiftet.

00:06:07: Die Lage der deutschen Wirtschaft sei besorgniserregend – der Mittelstand kurz vor dem Kollaps!

00:06:13: Viele Unternehmerinnen stünden quasi schon mit einem Bein im Ausland wo angeblich die Steuern niedriger und die Bedingungen besser sind.

00:06:21: Diese Behauptungen entbeeren jeder Grundlage.

00:06:24: Im Gegenteil, den Firmen und vor allem ihren Eigentümerinnen für die hier lobbyiert wird geht es in der Regel blendend.

00:06:31: Tatsächlich werden sie immer reicher – und das in atemberaubendem Tempo!

00:06:37: Unter den etwa sechshundert UnternehmerInnen, die die Stiftung Familienunternehmen tragen befinden sich beispielsweise Lidl-Gründer Dieter Schwarz mit einem Vermögenszuwachs zwei tausend fünfundzwanzig mit mutmaßlich zweikommar acht Milliarden Euro Und Dirk Rossmann mit einem Vermögenszuwachs, zwei tausend fünfundzwanzig.

00:06:57: Mit mutmaßlich einer Milliarde Euro.

00:07:00: und auch die Familie Deichmann konnte ihr Vermögen zweitausendfünfundzwanzig im Vergleich zum Vorjahr weiter ausbauen.

00:07:08: irgendwie gar nicht das was man sich unter einem Familienunternehmen so vorstellt.

00:07:13: Die Schauermärchen funktionieren trotzdem.

00:07:17: Auch dass schreckgespenst des ausländischen Investors der deutsche Firmen und Deutsche Immobilien übernehmen würde wenn die Steuern, die deutschen Vermögen in die Knie zwängen macht beharrlich die Runde in Medien und an Stammtischen.

00:07:29: Dabei sind es vor allem deutsche Überreiche denen in Deutschland viel zu viele Immobilien gehören Und das ausländische Kapital amerikanischer Private Equity Fonds stammt zu großen Teilen Aus genau den deutschen Milliardärsfamilien Die hinter der Stiftung Familienunternehmen stehen.

00:07:45: Aber leider funktionieren Diskurse häufig nach dem Prinzip Wer schreit am lautesten Am häufigsten und am längsten.

00:07:53: Und da die Mittel von MilliardärInnen schier unerschöpflich sind, können sie im Gegensatz zu uns Menschen beschäftigen, die rund um die Uhr für Sie schreien.

00:08:03: Viele Medien verbreiten deren Narrative ungeprüft – so stellt sich immer wieder ein großer Teil der Bevölkerung hinter die Interessen einer kleinen Minderheit und damit gegen die eigenen.

00:08:15: Dabei spricht die Lobby noch nicht einmal für den Querschnitt der Wirtschaft.

00:08:19: Der Verein Die Familienunternehmer hat nach eigenen Angaben um die sechstausend fünfhundert Mitglieder.

00:08:25: Das entspricht gerade mal null Komma zwei zwei Prozent der Unternehmerinnen in Deutschland und die sechshundert Unterstützenden, der Stiftung Familienunternehmen machen gerade mal Null Komma zero Zwei Prozent der rund drei Millionen deutschen Unternehmen aus.

00:08:41: Da ist es doch erstaunlich dass die Interessen einer so kleinen Minderheit eine so große Rolle in der Diskussion spielen Vor allem wenn seriöse Forschungsinstitute ganz andere Prognosen stellen.

00:08:52: Die OECD prognostiziert Wirtschaftswachstum für Deutschland, wenn Milliardärinnen mehr Steuern zahlen müssten und wenn sie einen Teil ihres Immobilienportfolios verkaufen müssen kannst du dir vielleicht bald eine Wohnung leisten die heute unbezahlbar ist.

00:09:10: Lasst euch nicht vor ihren Karren spannen!

00:09:14: Über viele Jahre war das Bild der verantwortungsbewussten Familienunternehmen als Rückgrat der Wirtschaft unantastbar Doch langsam bekommt es Risse.

00:09:22: Sie werden zunehmend als gierig und geizig wahrgenommen, das Label des Mittelständlers immer stärker ramponiert.

00:09:29: Das liegt eben auch an der Arbeit der Lobbyverbände der MilliardärInnen die diese Bezeichnungen für sich vereinnahmen.

00:09:36: Das tut den vielen Unternehmerinnen unrecht, die weder egoistisch noch verantwortungslos sind.

00:09:42: Die meisten der drei Millionen Unternehmen in Deutschland sind klein und haben keine Lobby.

00:09:48: Sie kämpfen mit Fachkräftemangel, Energiekosten oder Bürokratie – nicht mit der Frage wie sich Milliardenvermögen steuerfrei vererben lassen.

00:09:57: Gerade deshalb müssten sie ein Interesse daran haben, sich klar von den Milliardärs-Erbenden zu distanzieren.

00:10:03: Unternehmerinnen sollten aufhören zu denken, sie bildeten mit diesen eine Interessengruppe, denn deren Strategie schadet ihrem Ansehen und langfristig auch der sozialen Akzeptanz vom Unternehmertum insgesamt!

00:10:17: Wenn extreme Vermögenskonzentrationen und undemokratische Einflussnahme unter den Labeln Mittelstand-und Familienunternehmen weiter zunehmen, wächst das Misstrauen gegenüber der Wirtschaft als Ganzes.

00:10:29: Wer mit dreißig Angestellten oder ein paar Millionen Umsatz glaubt auf der gleichen Seite zu kämpfen wie die Lobby der Milliarden Erbenden lässt sich vor dem falschen Karren spannen.

00:11:02: Die Stimme, die diesen Artikel vorlässt ist erfunden.

00:11:07: Mich gibt's aber!

00:11:09: Ich bin Sebastian Klein Redakteur bei neuen Narrative und Autor dieses Artikels.

00:11:14: Freut mich sehr, dass du dabei bist!

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