Mitarbeitenden-Netzwerke für mehr Vereinbarkeit

Shownotes

Die Sparkasse Bremen hat interne Netzwerke mit der Aufgabe betraut, die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Sorgeverantwortung zu verbessern. Am Beispiel des Mütternetzwerks zeigen wir, wie sie sich organisieren, welche Veränderungen sie anstoßen und dass dafür auch ein Einstellungswandel nötig ist.

Diesen Beitrag liest eine erfundene Stimme vor, geschrieben hat ihn Paul Fenski.

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00:00:00: Die Stimme, die diesen Artikel vorliest ist erfunden.

00:00:03: Mich gibt's aber wirklich!

00:00:05: Ich bin Paul Fensky, Redakteur bei Neune Narrative und Autor dieses Artikels.

00:00:11: Schön, dass du am Start

00:00:12: bist.".

00:00:14: Die Sparkasse Bremen hat interne Netzwerke mit der Aufgabe betraut, die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Sorgeverantwortung zu verbessern.

00:00:22: Am Beispiel des Mütternetzwerks zeigen wir wie sie sich organisieren welche Veränderungen Sie anstoßen und das dafür auch ein Einstellungswandel nötig ist.

00:00:35: Mitarbeitende Netzwerke für mehr Vereinbarkeit.

00:00:38: von Paul Fensky Na, schon wieder Feierabend?

00:00:43: Sprüche wie diesen bekommt Melanie Michalski in der Verwaltung der Schwarkhasse Bremen noch immer gelegentlich zu hören wenn sie um zwölf Uhr fünfundvierzig ihre Arbeit beendet um den Nachmittag mit ihren beiden Kindern zu verbringen.

00:00:56: Sie weiß dass Ihre Kolleginnen sie nur necken wollen und die Kommentare nicht böse gemeint sind.

00:01:01: Trotzdem gibt es mir das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen", sagt Michalski.

00:01:07: Die Sparkasse Bremen ist mit one-tausend zweihundertneunundachtzig Mitarbeitenden eine der größten Arbeitgeberinnen in der Region.

00:01:15: Schon früher hatte die Sparkase sich um Angebote bemüht, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.

00:01:22: In der Hauptgeschäftsstelle wurde ein Elternkindraum geschaffen – und eine Kooperation mit Kita-Trägern sollte es den Angestellten erleichtern einen Betreuungsplatz für ihre Kleinkinder zu finden.

00:01:34: Doch in dem Jahr ist das Thema noch einmal grundsätzlicher anzugehen.

00:01:42: Jeder zweite Vater möchte laut Väter-Report aus dem Jahr gern die Hälfte der Betreuung seiner Kinder übernehmen.

00:01:50: Berufliche Verpflichtungen stehen diesem Vorhaben allerdings häufig im Weg.

00:01:54: Um die Attraktivität als Arbeitgeber zu erhöhen, also Fachkräfte zu halten und neue Anzuziehen müsse man darauf reagieren, war man in der Sparkasse überzeugt.

00:02:05: Und um zielgerichtete Maßnahmen entwickeln zu können – die die Vereinbarkeit von Arbeits- und Familienleben auch tatsächlich verbessern – habe man daher zunächst eine Umfrage unter den Mitarbeitenden durchgeführt, berichtet Johannes Bärzbach, Personalentwickler bei der Sparkase Bremen.

00:02:20: An der Befragung im Dezember-Zweißunddreiundzwanzig nahm mit fünfhundert sechsundachtzig Menschen fast die Hälfte der Belegschaft teil.

00:02:28: Davon gaben dreiundfünfzig Prozent an Eltern zu sein und einundzwanzig Prozent, dass sie Angehörige pflegen.

00:02:35: Eine große Mehrheit der Teilnehmenden verrichtet neben der Erwerbsarbeit bei der Sparkasse also Sorgearbeit.

00:02:42: Das Urteil über die Unterstützung des Unternehmens in Sachen Vereinbarkeit fällt eher positiv aus.

00:02:48: Etwas mehr als die Hälfte bewertet sie als eher gut bis sehr gut – fast ein Drittel als mittelmäßig und zehn Prozent als schlecht.

00:02:57: Zwar finden zweiundneunzig Prozent der Teilnähmenden das KollegInnen aufeinander Rücksicht nehmen.

00:03:02: Bei manchen KollegInnen fehle aber noch das Bewusstsein dafür, dass einige aufgrund ihrer Sorgeverpflichtungen weniger flexibel sind.

00:03:09: Viele Termine und Veranstaltungen finden konsequent Nachmittags- oder Abends statt – daran scheint auch niemand rütteln zu wollen", kommentiert eine Person in der Umfrage.

00:03:19: Von den bereits bestehenden Angeboten wurden mehrheitlich die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten und flexible Arbeitszeiten als die zwei wichtigsten benannt.

00:03:28: Viele Mitarbeitende wünschen sich aber, dass diese Angebote ausgebaut werden!

00:03:33: Momentan sieht die Betriebsvereinbarung maximal zwei Tage mobiles Arbeiten in der Woche vor.

00:03:39: Das führt dazu, dass Eltern und Pflegende Urlaub nehmen müssen wenn eigentlich auch ein weiterer Homeoffice-Tag ausreichen würde um ihren Sorgeverpflichtungen nachzukommen.

00:03:48: Eine flexiblere Gestaltung der Regelung würde hier helfen.

00:03:52: Das wäre ein Riesenunterschied sagt Michalski.

00:03:55: Dann müsste ich mir nicht frei nehmen nur weil meine zwei Tage schon verplant sind Und die Schule plötzlich ausfällt.

00:04:03: Unterstützung auf Augenhöhe.

00:04:06: Die Sparkasse Bremen ist schon seit vielen Jahren in Netzwerken organisiert.

00:04:11: Früher gab es klassische Hierarchien mit Vorgesetzten und ihren Stellvertretenden, die sich um Personal-, Organisation-, Zielvereinbarungen usw.

00:04:19: kümmerten.

00:04:20: Als normaler Angestellter kam man an den Führungszirkel gar nicht ran, sagt Vermögensberater Holger Lübcke.

00:04:27: In der Netzwerkorganisation ist das anders.

00:04:29: Außer dem Vorstand und einigen sogenannten Expertinnen im Personalteam kann niemand mehr disziplinarische Maßnahmen umsetzen.

00:04:37: Stattdessen werden in den Teams Rollen verteilt.

00:04:39: Jemand ist zum Beispiel Themen verantwortlich für Zahlen, Regulatorik oder Feedback-Kultur.

00:04:46: Auf Grundlage der Umfrageergebnisse hat der Vorstand verschiedene Netzwerke ins Leben gerufen um das Projekt bessere Vereinbarkeit von Beruf und Sorge fest in der Organisationsstruktur zu verankern Eines für Mütter eines für Väter eines für Menschen die ihre Angehörigen pflegen.

00:05:02: Hier zeigt sich dass die Schwarkasse die Vereinbarheit als Unternehmensziel begreift und nicht als entgegenkommen gegenüber einigen Mitarbeitenden.

00:05:10: Nicht die Angestellten sind es, die bei ihrem Unternehmen Unterstützung suchen, sondern ich unterstütze die Sparkasse dabei ihre Ziele umzusetzen", sagt Heike Behrens, Sprecherin des Mütternetzwerks.

00:05:23: Für Löpke ist das zentral für das Gelingen der Maßnahme.

00:05:27: Man traut sich eher, sich an normale Kollegen zu wenden als an disciplinarisch vorgesetzte ExpertInnen aus dem Personaltheam.

00:05:34: Wer für andere sorgt gilt schnell als weniger leistungsfähig, in gewissem Grad auch abhängig vom Wohlwollen des Arbeitgebers.

00:05:42: Vielleicht will man sich nicht gleich als schwach outen", sagt er.

00:05:46: Externe Unterstützung holte sich die Schwarkasse von Volker Baisch, Gründer der Väter GGMBH, der mit seinen Firmen Konpadres, Conmadres und Concaris seit Jahren unternehmen bei der Gründung von Vereinbarkeitsnetzwerken begleitet.

00:06:01: Diese externe Begleitung war sehr hilfreich, sagt Behrens.

00:06:05: Wir sind zwar alle Mütter, aber keine Organisationsentwicklerinnen.

00:06:08: Es hilft also wenn jemand eine Struktur vorgibt und Erfahrung aus anderen Unternehmen reinbringt.

00:06:14: Aber warum überhaupt mehrere Netzwerke bilden?

00:06:17: Warum nicht einfach ein Vereinbarkeitsnetzwerk für alle Sorge tragenden?

00:06:22: Müttern, Väter- und Pflegende haben ganz individuelle Anforderungen an Vereinbarkeit, erklärt Johannes Werzwach der den Prozess für den Personalbereich begleitet hat.

00:06:32: Pflegender Angehörige kämpfen mit einem Tabu ähnlich wie bei Trauerfällen.

00:06:36: Alle gratulieren dir, wenn du Vater wirst!

00:06:39: Das passiert natürlich nicht, wenn deine Mutter zum Pflegefall wird", sagt Holger Lübcke, Sprecher des Pflegenetzwerks.

00:06:46: Väter würden z.B.

00:06:47: gerne länger Elternzeit nehmen – haben jedoch Angst vor negativen Konsequenzen für ihre Karriere.

00:06:53: Mütter gehen dagegen häufig in Teilzeit und müssen den Arbeitsalltag und die Kindererziehung unter einen Hut bekommen.

00:07:01: Zehn Monate bis zum Rollout Im April, in den letzten Jahren fanden die ersten Treffen der Netzwerke statt.

00:07:09: Zunächst kamen je zehn bis zwanzig Interessierte aus denen sich nach und nach die Kerngruppen bildeten – acht bis zwölf Personen, die das jeweilige Netzwerk organisieren und gestalten würden.

00:07:21: In den Workshops erarbeiteten die Gruppen auf Basis der Umfrage Leitbilder-und-Ziele.

00:07:26: Das Mütternetzwerk formulierte Wir sorgen für einen Kulturwandel, der mehr Chancengleichheit Der klar macht, dass Teilzeit und Kehrarbeit am Ende mindestens eine doppelte Vollzeit bedeuten.

00:07:39: Das ist das Warum – die Motivation Erreichen will das Netzwerk diesen Kulturwandel in dem es kreative Vereinbarkeitslösungen zeigt und den Austausch von Müttern fördert.

00:07:51: Drei konkrete Ziele sind Eine weitere Flexibilisierung des mobilen Arbeitens, eine hohe Sichtbarkeit des Netzwerks Und eine Unternehmenskultur mit Verständnis für Mütter.

00:08:01: Wir haben bewusst offen formuliert, erklärt Behrens.

00:08:05: Wir wussten ja nicht, wie viel Zeit wir investieren können.

00:08:08: Und wir wollten uns nicht unter Druck setzen mit harten Zielen – die wir dann eventuell nicht

00:08:12: erreichen.".

00:08:14: Die Netzwerke entwickelten eigene Logos, richteten Hashtags im Internet ein, ließen Stickerdrucken.

00:08:21: Ich habe wie viele andere Mütter in der Kerngruppe einen auf meinem Laptop kleben und werde darauf angesprochen", sagt Behrens, auf deren Sticker Moms et Sparkasse steht.

00:08:30: Auch unsere Vorständin hat jetzt einen!

00:08:33: Zudem definierten die Netzwerken Rollen.

00:08:36: Beim Mütternetzwerk sind alle Rollen ganz im Sinne der Vereinbarkeit von Job- und Elternschaft doppelt besetzt, um den Druck rauszunehmen.

00:08:44: Dazu gehören unter anderem die Rolle der Sprecherin-, der Eventmanagerin oder der Social Media Managerin.

00:08:51: Bei einer Unternehmensweitenveranstaltung im Januar, twenty-fünfundzwanzig stellten die Netzwerke sich ihre Leitbilder und ihre Ziele der Belegschaft vor – etwa hundert Kolleginnen waren vor Ort!

00:09:05: Die Arbeit im Mütternetzwerk.

00:09:08: Heute hat das Mütternetzwerk allein fast hundert Followerinnen im Internet und eine Kerngruppe von zehn Frauen.

00:09:15: Einmal im Monat treffen sie sich für eineinhalb Stunden, um offene Aufgaben durchzugehen, Veranstaltungen zu planen.

00:09:31: Wie wird mein Kind nicht internetsüchtig?

00:09:41: Es steht dem Netzwerk auch frei, externe Referentinnen einzuladen – sofern das jährlich zur Verfügung stehende Budget von tausend Euro es hergibt.

00:09:50: Ein anderes Angebot dass das Mütternetzwerk bereitstellt ist das Speeddating!

00:09:55: Es findet alle zwei Wochen morgens statt und hat zum Ziel, Mütter die einander nicht kennen zusammenzubringen.

00:10:02: Mütte, die in Teilzeit arbeiten kommen oft nicht dazu innerhalb der Organisation zu Netzwerken oder einfach nur zwanglose Gespräche in der Kaffeeküche zu führen.

00:10:11: Dafür soll das Format einen Ausgleich schaffen und es helfe ihnen auch im

00:10:15: Arbeitsalltag.".

00:10:17: Wenn ich schon einmal mit der Person auf dem Speed-Dating gesprochen habe, fällt es viel leichter einfach anzurufen", sagt Behrens.

00:10:24: Etwa zwei Stunden ihrer Wochenarbeitszeit gehen bei den beteiligten Personen in die Netzwerke.

00:10:36: Aber wenn wir an konkreten Maßnahmen arbeiten, um die Vereinbarkeit bei der Sparkasse zu verbessern – dann ist es natürlich Arbeitszeit.

00:10:44: Behrens sagt «Wenn du willst das es erfolgreich ist, musst du den Mitarbeitenden diese Zeit geben».

00:10:50: Im Mütternetzwerk sieht es ähnlich aus!

00:10:52: Die meisten von uns arbeiten fünfundzwanzig Stunden, holen dann das Kind vom Kindergarten ab, haben Programmnachmittags und schmeißen den Haushalt.

00:11:00: Da kommt man nicht dazu, abends von acht bis zehn noch zusätzlich.

00:11:03: was fürs Unternehmen zu machen….

00:11:07: Das neue Kontingent für mobiles Arbeiten.

00:11:12: Die mobile Arbeit flexibler zu gestalten, war eines der konkreten Ziele aller Netzwerke.

00:11:18: Doch die Zwischenvorstand- und Betriebsrat ausgehandelte Betriebvereinbarung sieht höchstens zwei Wochentage für das mobile Arbeiten je Mitarbeiter in vor.

00:11:27: Das Mütternetzwerk schlug anlässlich der bevorstehenden Sommerferien vor – ein Kontingend an Tagen wie zuvor je MitarbeiterInn zwei pro Arbeitswoche zu schaffen und den Teams selbst zu überlassen, wie sie sie verteilen.

00:11:40: Im Sommer zweitausendfünfundzwanzig wurde das Modell drei Monate lang getestet.

00:11:46: Sechsundneunzig Prozent der teilnehmenden Mitarbeitenden wünschten sich nach dem Testlauf eine Fortsetzung.

00:11:52: Inzwischen läuft ein zweiter Test, der sich über das gesamte Jahr erstreckt, sagt Bärzbach.

00:11:58: So will das Personalteam sicherstellen dass die Regelung wirklich ausgereift ist bevor Sie Teil der Betriebsvereinbarung werden kann.

00:12:06: Mindestens genauso wichtig sind die kleinen Interventionen im Alltag.

00:12:10: Als der Betriebsrat eine wichtige Veranstaltung nur Nachmittags- und in Präsenz ansetzte, sprach Behrens die Vorsitzende an.

00:12:17: Ich habe ihr erklärt was das für Teilzeitkolleginnen bedeutet.

00:12:21: Kurz danach gab es einen zusätzlichen Termin Vormittagss – digital!

00:12:26: Ähnlich war's bei Seminaren, die häufig nur Ganztags stattfanden.

00:12:30: Das Netzwerk erreichte dass immer mehr auch nur Vormitagsangeboten werden.

00:12:37: Mehr als Einspruch.

00:12:40: Michalski überlegt inzwischen, ob sie nicht auch in die Kerngruppe des Mütternetzwerks einsteigen soll.

00:12:46: Wenn mir das Thema wichtig ist und ich etwas verändern will dann muss ich dafür auch einstehen.

00:12:51: Der nötige Kulturwandel geschehe schließlich nicht von alleine.

00:12:55: Deshalb kehrt Heike Behrens im Gespräch immer zum eigentlichen Warum zurück Zum Leitbild für dass die Maßnahmen nur ein Mittel sind.

00:13:04: Nur wenn die Mitarbeitenden insgesamt ihre Einstellung zum Thema Kehrarbeit verändern könne Vereinbarkeit wirklich gelingen.

00:13:12: Und deswegen sind neggende Sprüche viel bedeutsamer, als man im ersten Moment denken mag!

00:13:17: Man sagt ja, Bewusstsein sei der erste Schritt zur Veränderung – die Sparkasse ist schon mal losgelaufen.

00:13:34: Takeaways Darauf kommt es bei Vereinbarkeitsnetzwerken an.

00:13:38: Erstens Unternehmen müssen die Netzwerke als Bereicherung ansehen und dies der Belegschaft mitteilen.

00:13:44: Das gibt den Netzwerken Legitimation und macht klar, dass es nicht um Einzelinteressen geht sondern um ein strategisches Thema.

00:13:53: Zweitens – Arbeitszeit für Netzwerkarbeit freigeben.

00:13:56: Wer erwartet das Betroffene das in ihrer Freizeit machen wird scheitern besonders bei Menschen mit Sorgeverpflichtungen.

00:14:04: Drittens Die Verbesserung von Vereinbarkeit ist ein Kulturthema.

00:14:08: Es geht darum Sichtbarkeit für die Nöte-und Bedarfe von Sorgenden zu schaffen und dadurch langfristig einen Kulturwandel zu erreichen.

00:14:15: Das braucht Zeit.

00:14:40: Ich bin's doch mal, Paul!

00:14:41: Wenn du diesen Artikel nützlich oder erhellend oder bestenfalls beides fandest dann unterstützt uns doch mit einem Abo auf neuen narrative.de.

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