In 5 Schritten zu mehr Inklusion am Arbeitsplatz
Shownotes
Inklusion bedeutet: Alle können mitmachen. Doch wie muss Arbeit organisiert sein, damit Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt teilhaben können? In diesem Leitfaden geht es um konkrete Vorschläge und um Erfahrungen von Menschen mit Behinderungen.
Diesen Beitrag liest eine erfundene Stimme vor, geschrieben haben ihn Katharina Hilbich und Sandra Schmidhofer.
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00:00:00: Hi, ich bin Katharina Hilbig, Autorin bei Neue Narrative.
00:00:04: Die Stimme die dir gleich den Artikel vorliest ist künstlich.
00:00:07: Geschrieben habe ich ihn gemeinsam mit Sandra Schmidhofer von andererseits und es gibt's wirklich!
00:00:13: Ich wünschte viel Freude beim Zuhören.
00:00:16: Inklusion bedeutet alle können mitmachen doch wie muss Arbeit organisiert sein damit Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt teilhaben können?
00:00:25: In diesem Leitfaden geht es um konkrete Vorschläge In fünf Schritten zu mehr Inklusion am Arbeitsplatz, von Katharina Hilbig in Zusammenarbeit mit Sandra Schmidhofer von Andererseits.
00:00:44: Ein Hinweis vorweg!
00:00:45: Dieser Artikel wurde in einfacher Sprache geschrieben damit er für möglichst viele Menschen verständlich ist.
00:00:52: Bei andererseits wurde der Artikel auch in leichter Sprache zusammengefasst.
00:00:57: Den Text in leichtersprache können vor allem Menschen mit Lernschwierigkeiten gut verstehen.
00:01:03: ist ein Magazin über Behinderung und Gesellschaft.
00:01:06: Und das erste unabhängige Medium für den Dachraum, bei dem JournalistInnen mit- und ohne Behinderungen zusammenarbeiten.
00:01:15: So etwas Langsames wie dich gibt es kein zweites Mal!
00:01:18: Solche Sätze musste Lisa Sophie Haas sich oft anhören.
00:01:22: Die Zweiunddreißigjährige lebt mit Epilepsie.
00:01:25: Epilepsy isst eine chronische Krankheit Das heißt Menschen haben diese Krankheit meistens ihr ganzes Leben lang.
00:01:32: Vor einigen Jahren wollte Lisa-Sophie Haas eine Ausbildung zur Friseurin machen.
00:01:36: Doch ihre Ausbilderinnen hatten Probleme damit, dass sie wegen ihrer Behinderung langsamer arbeiten muss.
00:01:42: Deswegen hat Lisa Sophie Haas die Ausbildung abgebrochen.
00:01:46: Auch auf dem Arbeitsmarkt erlebt sie nur wenig Verständnis dafür, das sie anders arbeitet als nicht behinderte KollegInnen.
00:01:53: Viele Menschen mit Behinderungen machen ähnliche Erfahrungen.
00:01:57: Die aktuelle Arbeitsmarktstudie von Aktion Mensch und dem Handelsblatt Research Institute zeigt Es gibt immer weniger Inklusion auf dem Arbeitsmarkt.
00:02:12: Die meisten Behinderungen entstehen erst im Laufe des Lebens durch Krankheiten oder Unfälle.
00:02:34: Weniger als fünf Prozent aller Behinderung sind angeboren.
00:02:38: Viele Menschen haben also schon jahrelange Berufserfahrung, bevor sie eine Behinderung haben.
00:02:44: Trotzdem sinken ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt!
00:02:48: Woran liegt das?
00:02:52: Barrierefreiheit ist die Grundlage für Inklusion.
00:02:57: Viele Unternehmen haben keine guten Strukturen für Menschen mit Behinderunden.
00:03:01: Für eine Veränderung auf dem Arbeitsmarkt müssen sich nicht die Menschen mit Behinderungen anpassen, sondern die Unternehmen.
00:03:11: Frederick Fischer ist Experte für Barrierefreiheit.
00:03:14: Er isst blind und testet in seiner Arbeit ob Webseiten und Apps barrierefreis sind.
00:03:20: Damit alle Menschen gleichberechtigt arbeiten können, müssen Arbeitsplätze barrierenfrei sein.
00:03:29: mit einem Screenreader verwendet werden können.
00:03:32: Screenreaders lesen vor, was auf einem Computer zu sehen ist –.
00:03:36: viele denken das Barrierefreiheit teuer und kompliziert ist.
00:03:40: Doch oft geht es auch um Dinge die weder großen Aufwand noch hohe Kosten bedeuten.
00:03:45: Für Frederick Fischer ist es zum Beispiel wichtig dass im Büro keine Stolperfallen herumstehen.
00:03:52: Für andere Menschen mit Behinderungen bedeutet Barrierenfreiheit
00:03:55: v.a.,
00:03:56: auf sie Rücksicht zu nehmen und ihnen Zeit zu geben.
00:04:00: Es ist wichtig, dass sie Arbeitsprozesse selbst mitgestalten.
00:04:04: Dann kann auf verschiedene Formen von Barrierefreiheit geachtet werden – das ist wichtig denn ohne Barrierenfreiheit kein inklusiver Arbeitsplatz!
00:04:16: Was ist eigentlich mit Inklusion gemeint?
00:04:20: Inklusion bedeutet wörtlich Einbeziehung.
00:04:28: Das Recht auf gleichberechtigte Teilhabe ist dadurch seit zwei tausendneun verbindlich festgeschrieben.
00:04:34: Deutschland hat sich dazu verpflichtet, Barrieren jeglicher Form abzubauen.
00:04:39: Anne Gerstdorf arbeitet als Projektleiterin bei dem Verein Sozialhelden der sich für Inklusion einsetzt.
00:04:46: Sie erklärt Inklusion in der Arbeit so Menschen mit Behinderungen müssen selbst aussuchen können welche Arbeit sie machen.
00:04:53: Sie müssen für ihre Arbeit fair bezahlt werden und ihren Lebensunterhalt bezahlen können.
00:04:59: Doch der Arbeitsmarkt ist nicht inklusiv.
00:05:02: Anne Gerstdorf sagt, viele denken dass Menschen mit Behinderungen nur wenige Jobs gut machen können.
00:05:08: In Wirklichkeit kann aber jeder Job auch von Menschen mit Behinderungen gemacht werden Denn Behinderung sind sehr verschieden.
00:05:15: Die Behinderung von Lisa Sophie Haas ist zum Beispiel von außen nicht sichtbar.
00:05:20: Sie braucht für manche Aufgaben mehr Zeit als andere.
00:05:23: Das spricht sie in Bewerbungsgesprächen offen an.
00:05:26: Trotzdem heißt es hinterher oft Das haben wir nicht kommen sehen, erzählt Haas.
00:05:31: Sie fühlt sich deshalb oft nicht ernst genommen.
00:05:34: Inklusion bedeutet Vielfalt ist die Norm und nicht die Ausnahme.
00:05:39: Menschen sind unterschiedlich – das soll nicht als Problem gesehen werden sondern als selbstverständlich.
00:05:46: Das erwartet auch Lisa Sophie Haas von Unternehmen.
00:05:49: «Nie wieder will ich auf mein Arbeitstempo reduziert werden», sagt sie.
00:05:54: In ihrem letzten Job musste sie außerdem immer wieder Aufgaben erledigen, für die sich nicht beworben hat.
00:05:59: So sieht Inklusionen nicht aus, findet Lisa-Sophie Haas.
00:06:04: Es gibt klare Gesetze zur Inklusion in Unternehmen.
00:06:07: Trotzdem sieht die Realität anders aus.
00:06:10: Im Jahr es gab es in Deutschland etwa hundertachzigtausend Arbeitgebende Die Menschen mit anerkanter Behinderung anstellen müssen.
00:06:19: Das heißt Beschäftigungspflicht.
00:06:22: Unternehmen müssen fünf Prozent der Stellen mit Menschen mit Schwerbehinderungen besetzen.
00:06:27: Wenn sie das nicht tun, müssen Sie jeden Monat Geld bezahlen!
00:06:31: Das nennt man auch Ausgleichsabgabe.
00:06:35: Nur weniger als die Hälfte dieser Unternehmen erfüllt die Beschäftigungspflicht.
00:06:39: Die Mehrheit der Unternehmen beschäftigt zu wenige oder gar keine Menschen mit offiziell anerkannten Behinderungen.
00:06:47: Forscher haben solche Unternehmen gefragt Warum zahlt ihr eine Ausgreichsabgate?
00:06:52: anstatt Personen mit Behinderungen einzustellen.
00:06:55: Das waren Antworten der Unternehmen.
00:07:19: Und wir sehen auch, Inklusion beginnt schon im Bewerbungsprozess.
00:07:27: Auch hier erleben viele BewerberInnen mit Behinderungen Vorurteile.
00:07:31: Dabei sollten Bewerbung für alle zugänglich sein.
00:07:33: Unternehmen können dafür zum Beispiel Stellen Ausschreibungen in einfacher Sprache schreiben Bewerbsgespräche auch am Telefon oder per Video anbieten und formulare Barriere frei machen damit sie mit Screenreadern gelesen werden können.
00:07:48: Eine feste Ansprechperson für BewerbernInnen.
00:07:52: Sie kennt sich aus und hat Ratschläge und Tipps.
00:07:55: So wird Inklusion von Anfang an mitgedacht, warum Inklusion für Unternehmen sinnvoll ist.
00:08:04: Inklusion ist nicht nur für Mitarbeitende mit Behinderungen wichtig sondern für alle.
00:08:09: Das sagt die Wissenschaftlerin Caroline Hiesinger.
00:08:12: sie forscht zu Inklusion am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.
00:08:16: dafür befragt sie vor allem Unternehmen.
00:08:18: Hiesinger hat zum Beispiel gefragt, wie Unternehmen die Leistung und Motivation von Mitarbeitenden mit- und ohne Behinderungen einschätzen.
00:08:26: Das Ergebnis?
00:08:27: Unternehmen bewerten die Leistungs- und Motivertion von Mitarbeitenden mit und ohne Behinderungen sehr ähnlich.
00:08:33: Manche Unternehmen sagen sogar, die Motivations bei Mitarbeiterinnen ist höher.
00:08:39: Außerdem sagen manche der Unternehmen, Mitarbeiter verhalten sich sozialer wenn Personen im Team arbeiten.
00:08:47: Die auf Inklusion achten, werden als interessantere ArbeitgeberInnen gesehen.
00:08:52: So die Einschätzung von Caroline Hiesinger.
00:08:56: Inklusion ist auch für die Wirtschaft im ganzen Land wichtig.
00:08:59: Auf dem Arbeitsmarkt ist es momentan schwierig.
00:09:02: Viele Menschen werden immer älter – die Zahl der arbeitenden Menschen wird aber gleichzeitig immer kleiner!
00:09:08: Viele Menschen mit Wissen und Erfahrung in bestimmten Berufen verlassen den Arbeitsmarkt.
00:09:13: Diese Menschen heißen Fachkräfte.
00:09:16: Wenn Sie mit Ihrem Wissen verschwinden, sagt man deswegen Fachkräftemangel.
00:09:21: Arbeitsplätze können aber auch für Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen geöffnet werden.
00:09:26: Dann können mehr Menschen arbeiten die aktuell nicht oder nur wenig arbeiten.
00:09:31: Das kann eine Lösung für das Problem sein.
00:09:34: Viele Menschen, die erst als erwachsene Behinderung haben müssen ihren Job aufgeben.
00:09:39: wenn Unternehmen Maßnahmen haben um Menschen in ihren Jobs zu halten Halten sie auch wichtiges Wissen und Erfahrungen in ihren Teams Schritt für Schritt zu einem inklusiven Arbeitsumfeld.
00:09:53: Noch mal zusammengefasst, Barrierefreiheit ist eine wichtige Grundlage aber Inklusion bedeutet noch mehr.
00:10:00: Neben Gesetzen braucht es inklusive Prozesse die auf unterschiedliche Bedarfe angepasst werden können.
00:10:06: dafür haben wir fünf wichtige Schritte aufgeschrieben.
00:10:12: Am Anfang steht die Frage welche Barrieren gibt es im Unternehmen?
00:10:17: Und wie sieht es im Bewerbungsprozess aus?
00:10:19: Bei diesen Fragen können Expertinnen mit Behinderungen unterstützen.
00:10:23: Sie wissen am besten, wo es Probleme gibt und welche Lösungen sinnvoll sind.
00:10:28: Wichtig – diese Arbeit sollte bezahlt werden!
00:10:31: Vor allem Menschen die Teams leiten, sind für die Veränderung der Strukturen verantwortlich.
00:10:36: Schritt zwei Barrierefreiheit konsequent umsetzen.
00:10:41: Barrierenfreiheit betrifft mehr als Rampen-und Aufzüge.
00:10:44: Das haben uns auch Fredrik Fischer und Lisa Sophie Haas erklärt.
00:10:48: Insgesamt lassen sich vier Arten von Barrierefreiheit unterscheiden.
00:10:52: Erstens, räumliche und bauliche Barrierenfreiheit – zum Beispiel durch Rampen oder automatische Türöffner für Rollstuhlnutzerinnen.
00:11:00: Zweitens, Barrieremfreiheit in der Kommunikation, z.B.
00:11:04: durch Gebärdensprache-Dollmetschung und einfache Sprache.
00:11:09: Drittens, digitale und technische Barriervreiheit zum Beispiel durch screen reader freundliche Programme.
00:11:15: Die braucht Frederick Fischer, um teilhaben zu können.
00:11:19: Viertens – psychische Barrierefreiheit.
00:11:21: Zum Beispiel durch Rückzugsmöglichkeiten oder flexible Regeln für Pausen.
00:11:26: Das ist für Lisa Sophie Haas wichtig.
00:11:30: Insgesamt sollen alle Menschen möglichst selbstständig und gleichberechtigt arbeiten können.
00:11:35: Barrierenfreiheit sollte für alle Mitarbeitenden wichtig sein, sagt Frederick Fisher.
00:11:40: das ist für den Zusammenhalt wichtig aber auch für ein effizienteres Arbeiten.
00:11:45: Effizientarbeiten heißt, man kann in der Arbeitszeit möglichst viele wichtige Aufgaben erledigen.
00:11:51: Wenn man alleine für Inklusion kämpfen muss bleibt weniger Energie und Leistung für die eigentliche Arbeit sagt er.
00:11:58: Schritt drei Flexible-Arbeitszeitmodelle ermöglichen Flexible Arbeitszeiten.
00:12:04: Homeoffice Möglichkeiten oder angepasste Aufgabenverteilungen können helfen unsichtbare Barrieren abzubauen.
00:12:11: Inklusion bedeutet auch, zu hinterfragen.
00:12:14: Müssen alle zur selben Zeit amselben Ort und im selben Tempo arbeiten?
00:12:19: Mehr Freiheit ermöglicht mehr Teilhabe für Menschen mit Behinderungen – und oft auch für viele andere im Team!
00:12:27: Schritt vier.
00:12:28: Inklusive Fürsorgekultur in Unternehmen stärken.
00:12:31: Führungskräfte haben eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitenden.
00:12:35: Das heißt, Führungskräfte müssen darauf achten dass es allen Mitarbeitende bei der Arbeit gut geht.
00:12:42: Damit das gelingt, sind klare Strukturen und eine bewusste Haltung wichtig.
00:12:46: Dazu gehören zum Beispiel klare Regeln für Inklusion in denen sich Unternehmen dazu verpflichten auf Barrierefreiheit, Chancengleichheit und Teilhabe zu achten.
00:12:56: Solche Regeln heißen Leitlinien.
00:13:00: Auch wichtig sind regelmäßige Schulungen für Führungskräfte und Mitarbeitende zu Themen wie Inklusion, Barrierenfreiheit oder Abelismus.
00:13:09: Außerdem sollte es Ansprechpersonen für Mitarbeitende mit Behinderungen geben, zum Beispiel schwerbehinderten Vertretungen oder Integrationsbeauftragte.
00:13:18: Dazu sind Unternehmen auch verpflichtet!
00:13:21: Schritt Fünf Inklusionslage regelmäßig überprüfen und weiterentwickeln.
00:13:26: Inklusion ist kein einmaliges Projekt.
00:13:29: Es ist wichtig sich immer wieder zu fragen was läuft gut?
00:13:33: Was muss sich noch verbessern?
00:13:34: Dabei ist es wichtig dass Mitarbeiter anonym Feedback geben können.
00:13:38: Die Ergebnisse der Umfragen werden dann transparent kommuniziert.
00:13:42: Das heißt, alle können die Ergebnisse erfahren.
00:13:46: Die Maßnahmen zur Inklusion werden auf Grundlage des Feedbacks dann immer wieder angepasst.
00:13:52: Besseraufgestellt durch echte Teilhabe.
00:13:56: Echte Teilhabe bedeutet das Menschen mit Behinderungen auf allen Ebenen mitgestalten können Denn Menschen mit Behinderungen können in allen Jobs und Rollen vertreten sein – auch als Führungskräfte.
00:14:09: Erst wenn Barrierefreiheit mit einer ernsthaft gelebten Fürsorgekultur und flexiblen Arbeitsstrukturen zusammengedacht wird, entsteht echte Inklusion.
00:14:41: Anne Gerstdorf ist Expertin für Inklusion auf dem Arbeitsmarkt.
00:14:45: Sie macht Beratungen für Unternehmen.
00:14:48: Carolin Hiesinger ist Wissenschaftlerin am Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung, sie forscht zu Inklusion und Arbeit.
00:15:19: Ich bin's noch mal Katharina!
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