Wir können es uns nicht leisten, Fürsorge zurückzustellen
Shownotes
Care gilt als Kostenfaktor. Etwas, das man sich nur leistet, wenn noch was übrig bleibt. Dabei sind es die Sparmaßnahmen, die uns teuer zu stehen kommen: Sogenannte Caring Communitys schaffen Abhilfe, sind aber erst der Anfang. Wir müssen die Fürsorge ins Zentrum unseres Wirkens stellen.
Diesen Beitrag liest eine erfundene Stimme vor, geschrieben hat ihn Charleen Rethmeyer.
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00:00:00: Hallo, ich bin Charlene Redmayer, Redakteurin bei Neue Narrative und Autoren dieses Artikels.
00:00:06: Die Stimme die diesen Artikel gleich vorliest ist künstlich aber mich gibt's wirklich und ich wünsche dir viel Spaß beim Anhören!
00:00:15: Care gilt als Kostenfaktor etwas das man sich nur leistet wenn noch was übrig bleibt.
00:00:21: dabei sind es die Sparmaßnahmen die uns teuer zu stehen kommen.
00:00:24: so genannte Caring Communities schaffen.
00:00:27: Abhilfe sind aber erst der Anfang.
00:00:30: Wir müssen die Fürsorge ins Zentrum unseres Wirkens stellen.
00:00:38: Wir können es uns nicht leisten, Fürsorge zurückzustellen.
00:00:41: von Charlene Rätmeier.
00:00:43: Wer in den Berliner Bezirken Neukölln oder Friedrichsein Kreuzberg an einem Spielplatz vorbeigeht und bemerkt das eine Schaukel fehlt oder kein Wasser fließt kann davon ausgehen?
00:00:54: Die Infrastruktur ist nicht gerade erst kaputt gegangen sondern vermutlich schon länger Denn in manchen Kiezen werden kaputte Spielgeräte nicht mehr erneuert.
00:01:04: Ähnlich ist es bei der Obdachlosenhilfe, die reduziert wird oder Suchthilfen, die gestrichen werden.
00:01:09: Die Begründung dafür ist aber immer dieselbe – kein Geld!
00:01:13: Andere Dinge haben Vorrang.
00:01:15: Haushalte müssen konsolidiert werden und CARE also für Sorgepflege soziale Infrastruktur ist eben das was man im Zweifel zurückstellt.
00:01:25: Diese Logik ist weit verbreitet und liegt nicht nur Haushaltsentscheidungen sondern auch Unternehmensstrategien zugrunde.
00:01:32: Im Arbeitsalltag äußert es sich meist so.
00:01:35: Stellen werden nicht nachbesetzt, Zuschüsse für Sport- oder Gesundheitsprogramme werden gestrichen, Weihnachtsfeiern fallen aus, Weiterbildungen werden aufgeschoben – das betrifft all die Dinge, die nicht unmittelbar das Geschäft gefährden aber unseren Arbeitsalltag leichter machen Beziehungen zu unseren KollegInnen stärken und unseren Stress reduzieren.
00:01:56: Erst kommt die Wirtschaft Und wenn noch etwas übrig bleibt, kommt Care.
00:02:01: Das eine gilt als produktiv, das andere als Kostenfaktor.
00:02:05: Aber stimmt das?
00:02:06: Können wir CARE einfach aus Budgets streichen?
00:02:11: Was Wirtschaft eigentlich leisten sollte?
00:02:14: Mit dieser Frage beziehungsweise der zugrunde liegenden Annahme beschäftigt sich Liska Bolzhausen seit Jahren – sie ist Co-Vorständin des Verbandes, Wirtschaft ist CARE, der sich dafür einsetzt, CARE nicht länger als Gegensatz zur Wirtschaft zu verstehen sondern als dessen Grundlage.
00:02:32: Die Frage, die sie dabei stellt, klingt banal – ist es aber nicht.
00:02:36: Was soll die Wirtschaft überhaupt leisten?
00:02:39: Bollshausen sagt ganz Basal steht bei Wikipedia zum Beispiel.
00:02:44: Wirtschaft oder Ökonomie ist die Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die der planvollen Befriedigung der Bedürfnisse dienen.
00:02:52: Allen voran steht also die Bedürfsbefriedigung von Menschen.
00:02:56: Genau darum gehe er auch bei CARE dafür zu sorgen dass Menschen das bekommen was sie zum Leben brauchen.
00:03:03: Neben Essen, trinken und sauberer Luft zählen dazu auch unsere psychologischen Grundbedürfnisse wie das Bedürfnis nach Nähe-und
00:03:10: Verbundenheit.".
00:03:12: Wirtschaft und Kehr verfolgen also beide dieselben Ziele – Bedürftesbefriedigung sagt Beuelshausen.
00:03:19: doch was wir in der Wirtschaftspolitik sehen ist etwas ganz anderes.
00:03:24: Seit den neunzehnachtziger Jahren hat sich ein Wirtschaftsverständnis durchgesetzt dass den Shareholder Value ins Zentrum stellt.
00:03:32: Die Aufgabe von Unternehmensführungen besteht demnach darin, den Wert für Anteilseignende zu maximieren.
00:03:39: Bedürfnisbefriedigung ist in diesem Modell allenfalls ein Mittel zur Kapitalvermehrung.
00:03:45: Care die sich nicht oder nur schwer in Zahlen ausdrücken lässt fällt dabei durchs Raster.
00:03:51: Das beginnt schon damit wie wirtschaftliche Leistungen gemessen werden.
00:03:55: das Brutto-Inlands Produkt erfasst nur bezahlte wirtschaftlichen Aktivitäten.
00:03:59: wenn du deine eigene Wohnung putzt Deine Großmutter besuchst oder die Kinder der Nachbarin betreust, leistest du nichts was im Bruttoinlandsprodukt zählt.
00:04:09: Beauftragst Du dafür aber eine Reinigungsfirma oder einen Pflege- oder Betreuungsdienst, fließt die Leistung ins BIP ein und wird sichtbar.
00:04:19: Die Unsichtbarkeit von CARE ist also strukturell bedingt.
00:04:23: Solange Fürsorge unbezahlt bleibt erscheint sie nicht in den Zahlen Und was nicht zählt, zählt eben nicht.
00:04:32: Wer Care nicht einkaufen kann, trägt sie allein.
00:04:37: Lange funktionierte und funktioniert vielerorts bis heute das informelle Caresystem über Familienstrukturen.
00:04:44: Menschen vor allem Frauen kümmerten sich nicht nur um Haushalt und Kinder sondern auch um pflegebedürftige Eltern- und Schwiegereltern.
00:04:52: Sie waren das soziale Netz der gesamten Familie.
00:04:55: Dieses Modell war vom Patriarchat geprägt und ungerecht aber es funktionierte.
00:05:00: Care war da auch wenn es innerhalb der häuslichen Welt unsichtbar blieb und als selbstverständlich vorausgesetzt wurde.
00:05:07: Doch etwas hat sich grundlegend verändert.
00:05:10: Frauen erkämpften sich das Recht auf ökonomische Unabhängigkeit- und Erwerbsarbeit, doch anstatt Kehr Arbeit neu zu verteilen etablierte sich das neoliberale Ideal möglichst flexibler und mobiler Arbeitskräfte.
00:05:24: Um dem Arbeitsmarkt vierzig Stunden pro Woche oder mehr zur Verfügung zu stehen werden CARE-Aufgaben je nach finanziellen Ressourcen ausgelagert, und zwar an Dienstleistende oder Apps.
00:05:35: CARE wird von einem Akt zwischen menschlicher Beziehung und Interaktion zur bezahlbaren Dienstleistungen.
00:05:42: Wer kann kauft sich Entlastung ein – zum Beispiel in Form von Nennys, Haushaltshilfen oder mobiler Pflegedienste?
00:05:49: Wer sich das nicht leisten kann muss meist auf Erwerbsarbeit verzichten!
00:05:53: In der Regel sind es Frauen die zu Hause bleiben.
00:05:56: Die erkämpfte ökonomische Unabhängigkeit bleibt also vielen verwehrt.
00:06:00: Und wer versucht, beides neben der Arbeit zu stemmen zahlt einen hohen Preis – denn oftmals fehlt diese Carearbeit dann im Privatleben der Pflegenden selbst!
00:06:11: Die Burnout-Gefahr bei berufstätigen pflegenden Angehörigen oder Alleinerziehenden ist erhöht.
00:06:16: Sie sind zudem häufiger von Einsamkeit betroffen wie das Einsamkeitsbarometer in den Jahren Jahrzehnte.
00:06:23: Auch auf Seiten der gepflegten entsteht eine Lücke.
00:06:26: Ein älterer Mensch, der zweimal täglich dreißig Minuten Besuch vom Pflegedienst bekommt ist funktional versorgt.
00:06:33: Er bekommt Essen, seine Medikamente und wird gewaschen Aber einsam ist er oft trotzdem.
00:06:39: Das Grundbedürfnis nach Bindung bleibt ungestillt.
00:06:43: Und dann ist da noch jene Gruppe die häufig vergessen wird Kehrarbeitsmigrantinnen Die oft fern ab ihrer Familien arbeiten.
00:06:52: Das Muster is nicht neu.
00:06:53: Es galt bereits für die circa vierzehn Millionen sogenannten Gastarbeiterinnen, auf deren Arbeit das deutsche Wirtschaftswunder aufbaute und es gilt heute für Pflegekräfte, die aus Brasilien, Kasachstan oder Kenia nach Deutschland angeworben werden.
00:07:10: CARE wird an jene delegiert, die am wenigsten sichtbar sind und die ihre eigene Fürsorge oder die ihrer Familien dafür zurückstellen müssen.
00:07:19: CARES wird zur Klassenfrage – wer Geld hat kauft sich Entlastung!
00:07:23: Wer keins hat, trägt die Last allein oder gibt sie an jene weiter, die noch weniger Wahl haben.
00:07:29: Was als privates Problem erscheint ist strukturell bedingt und setzt sich in der Arbeitswelt fort.
00:07:37: Trittbrettfahren auf unsichtbarer Kehrarbeit.
00:07:42: Unternehmen wollen leistungsfähige Arbeitskräfte und funktionierende Teams – was oft übersehen wird!
00:07:48: Damit Mitarbeitende im Team arbeiten können muss Kehrarbeit geleistet worden sein In der Vergangenheit durch Kinderbetreuung, Schule und Ausbildung im Alltag durch emotionale Selbststabilisierung oder am Arbeitsplatz wo Konflikte moderiert werden müssen.
00:08:05: Unternehmen profitieren von all dem ohne es zu finanzieren.
00:08:09: Die Verantwortung speist sich dabei nicht aus moralischen Gründen sondern aus strukturellem Nutzen.
00:08:14: Ohne Care keine Arbeitskraft Keine Produktivität keine Wertschöpfung.
00:08:20: Bolzhausen zieht eine parallele zur Umweltbewegung.
00:08:23: sie sagt Unternehmen profitieren von natürlichen Ressourcen.
00:08:27: Dafür gibt es mittlerweile Umweltauflagen, Berichtspflichten, CO-Preise.
00:08:31: Die Idee dahinter ist einfach Wer von einer Ressource profitiert soll auch für ihren Erhalt Verantwortung tragen.
00:08:38: Warum wird CARE nicht systematisch sichtbar gemacht?
00:08:42: Und warum gibt es dafür keine vergleichbaren Standards?
00:08:47: Sparen am falschen Ende.
00:08:51: Auf gesellschaftlicher Ebene zeigt sich das Problem noch deutlicher.
00:08:54: Lange galt öffentliche Kehrinfrastruktur als Kern des Sozialstaats, Jugendzentren, Nachbarschaftstreffs Beratungsangebote oder aufsuchende Sozialarbeit.
00:09:05: All das gehörte zur gesellschaftlichen Grundversorgung.
00:09:08: Der Gedanke dahinter Eine funktionierende Gesellschaft braucht Orte und Strukturen die Fürsorge ermöglichen.
00:09:16: Heute geraten diese Strukture unter Druck.
00:09:19: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten kürzen Kommunen zuerst bei den sogenannten freiwilligen Leistungen.
00:09:25: Was nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, gilt als verzichtbar.
00:09:30: Die Annahme dabei – CARE lässt sich einsparen!
00:09:34: Doch das ist ein Irrtum.
00:09:36: Sparmaßnahmen öffentlicher und privater CARE-Institutionen verlagern die Last auf Familien und Privathaushalte.
00:09:43: Krankenhäuser entlassen Patientinnen früher?
00:09:46: Angehörige pflegen sie dann eben zu Hause weiter.
00:09:49: Kehrarbeit wird so nicht eingespart, sie wird lediglich verlagert.
00:09:55: Das Problem geht über diese individuelle Überlastung hinaus.
00:09:59: Der Rückbau öffentlicher Kehrinfrastruktur ist nicht nur sozial ungerecht sondern wirtschaftlich irrational und politisch gefährlich.
00:10:07: Eine Gesellschaft die nicht in Fürsorge investiert zahlt die Rechnung später In Form von hohen Krankheitsständen Burnout Einsamkeit sinkender Produktivität Und dem Gefühl abgehängt zu werden.
00:10:21: Wolfshausen zieht darüber hinaus einen Zusammenhang zwischen schwindender sozialer Infrastruktur und dem erstarken autoritärer Politik.
00:10:30: Wenn man die Kita schließt oder das nächste Krankenhaus auf einmal noch weiter weg ist, sagt sie entsteht das Gefühl im alltäglichen nicht mehr mitgenommen zu werden.
00:10:41: Dabei ist die Stimmung in der Bevölkerung eindeutig.
00:10:44: eine Befragung des ThinkTanks Moor in Common aus dem Jahr two-tausenddreiundzwanzig zeigt, dass neunundsiebzig Prozent der Menschen in Deutschland der Aussage zustimmen jeder kümmert sich um sich selbst.
00:10:56: Es bräuchte also mehr Zusammenhalt, mehr Verbindung, mehr Care.
00:11:00: Care Strukturen sind deshalb keine Randthemen.
00:11:03: sie stellen die Grundversorgung sicher und sind Grundvoraussetzungen für gesellschaftlichen Zusammenhalt was stattdessen mit Caring Communities möglich ist.
00:11:29: In vielen Städten und Gemeinden entstehen deswegen gerade Initiativen, die Fürsorge anders organisieren – lokal-, gemeinschaftlich-und mit Fokus auf Beziehungen statt auf Transaktionen basierend.
00:11:41: Caring Communities denken Care wieder als soziale Infrastruktur.
00:11:46: Diese Angebote beruhen vor allem auf zwischenmenschlichen Beziehung und sollen Menschen wieder mehr Begegnungen und Austausch im Alltag ermöglichen.
00:11:53: so Boilshausen!
00:11:55: Ein konkretes Beispiel sind selbstorganisierte Nachbarschaftsinitiativen.
00:12:00: Die Gründe zur Selbstorganisation können ganz unterschiedlich sein.
00:12:04: In manchen Nachbarschaften schließen sich einige Eltern zusammen, um einen Kinderladen zu gründen und dort ihre Kinder zu betreuen.
00:12:11: In anderen Orten gründen sich Vereine für mehr nachbarschaftlichen Zusammenhalt.
00:12:17: Der Verein Wolf & Elze im Berliner Märchenviertel organisiert Floh- und Weihnachtsmärkte und hat eine elektrisch unterstützte Rikscha angeschafft für Ausflüge und Besorgungsfahrten, zum Beispiel für mobilitäts- eingeschränkte Nachbarinnen oder Angehörige.
00:12:32: Die Community repariert und organisiert die Nutzung ehrenamtlich und selbst verwaltet.
00:12:38: Dann gibt es noch Quartiersprojekte, die räumliche Infrastruktur für solche Netzwerke schaffen.
00:12:43: Das sind überschaubare Versorgungsgebiete wie ein Dorf oder ein Kiez in denen verschiedene Angebote an einem Ort gebündelt werden.
00:12:51: Oft ist das dann eine Kombination aus Beratung Betreuung und Begegnung.
00:12:55: Mehr Generationenhäuser sind eine besondere Form von Quartiersprojekten.
00:13:00: Sie bringen Menschen unterschiedliche Altersgruppen zusammen, die dann gemeinsam kochen, Lernangebote anbieten oder einander im Alltag begleiten wie das Projekt Gießerei in Winterthur.
00:13:11: In Deutschland fördert der Bund derzeit rund fivehundertdreißig solcher Häuser mit bis zu vierzigtausend Euro pro Jahr – sogenannte Caring Cities.
00:13:21: Wiederum übertragen zum Beispiel das spanische Superblock-Prinzip auf häusliche Kranken und Altenpflege.
00:13:28: Ursprünglich aus dem spanischen Municipalismus kommend werden dabei klar definierte Versorgungsgebiete für Pflegende gebildet, diese Gebiete heißen Superblocks.
00:13:38: Das Ziel sind kürzere Wege und weniger Fahrzeiten quer durch die Stadt.
00:13:43: Pflegekräfte gewinnen dadurch mehr Flexibilität und können sich innerhalb eines festen Gebiets selbst organisieren und Pflegebedürftige haben mehr Kontinuität und gleichbleibende Bezugspersonen", erklärt Bolzhausen.
00:13:57: In Deutschland bleibt die Auseinandersetzung damit bislang theoretisch.
00:14:01: Diskussionen kommen häufig gemeinsam mit Debatten über leerstehende Einkaufszentren auf, wie bei der Berliner Initiative Sorge im Parkcenter.
00:14:10: Dort sollen alle möglichen Formen von Sorgearbeit, Ärztinnenpflege, Kinderbetreuung
00:14:15: usw.,
00:14:16: für eine wohnortnahe Versorgung angesiedelt werden.
00:14:19: Stand jetzt!
00:14:20: soll das Einkaufszentrum abgerissen und durch acht Neubauten ersetzt werden.
00:14:25: Neben den bereits genannten Beispielen existieren auch Tauschringe-und Zeitbanken.
00:14:29: Das sind lokale Netzwerke, in denen sich Menschen gegenseitig im Alltag unterstützen – ohne Geld!
00:14:36: In Tauschringern werden Dienstleistungen oder Waren getauscht.
00:14:39: Jemand repariert ein Fahrrad und bekommt dafür ein selbst gebackenes Brot oder einen Babysitter.
00:14:45: Die Verrechnungseinheit ist oft eine interne Währung oder ein Punktesystem.
00:14:50: In der Regel werden hier allerdings keine Guthaben angespart, sondern zeitnah eingetauscht.
00:14:56: Zeitbanken funktionieren ähnlich – fokussieren sich aber stärker auf eine zeitbasierte Fürsorge.
00:15:03: Mitglieder helfen einander auch hier bei der Kinderbetreuung im Haushalt oder beim Einkaufen für ältere Nachbarinnen.
00:15:11: Eine Stunde Hilfe wird mit einer Stunde Zeitguthaben vergütet.
00:15:15: Das Guthaben kann angespart und später eingelöst werden, wenn man Selbstunterstützung braucht.
00:15:21: Diese Modelle bleiben allerdings in der Logik Leistung gegen Gegenleistung und in ihren Tauschbeziehungen auf Angebote fixiert.
00:15:29: Wer schwer krank oder pflegebedürftig ist fällt hier möglicherweise raus gibt Boilshausen zu bedenken.
00:15:35: damit besteht auch die Gefahr dass das Konzept ökonomisiert wird.
00:15:40: eine andere Organisation von Fürsorge ist also möglich.
00:15:43: Strukturen wie Nachbarschaftsinitiativen, Quartiersprojekte oder Caring-Cities zeichnet aus, dass sie Kehrarbeit auf mehrere Schultern verteilen.
00:15:53: Sie wirken Einsamkeit entgegen weil sie auf Beziehungen statt auf Transaktionen basieren.
00:15:58: Außerdem stärken sie die Selbstwirksamkeit, weil Menschen sich gleichzeitig als gebend und empfangend erleben – und nicht zuletzt sind sie lokal verankert und dadurch niedrigschwellig erreichbar.
00:16:10: Diese Orte und Strukture erfüllen nicht nur praktische Kehraufgaben.
00:16:14: Sie wirken dem entgegen, was das Einsamkeitsbarometer als zentrales gesellschaftliches Problem identifiziert.
00:16:20: Dem Mangel an Bindung.
00:16:22: Gesellschaftliche Teilhabe, soziale Beziehungen, das Gefühl Gebrauch zu werden und zugleich Unterstützung empfangen zu dürfen – all das sind wirksame Resilienzquellen gegen Einsamkeit!
00:16:35: Was fehlt?
00:16:36: Sind also nicht die Ideen sondern die politische und wirtschaftliche Anerkennung.
00:16:41: Bolzhausen sagt dazu.
00:16:43: Wir stellen uns in der politischen Debatte die falsche Frage.
00:16:46: Es geht nicht darum, ob wir uns mehr Care leisten können sondern Können wir es uns leisten weiterhin so zu Wirtschaften als bräuchten wir sie nicht?
00:16:55: Care muss also wieder in das Zentrum unserer Fragen gerückt werden.
00:17:00: Wenn Wirtschaft tatsächlich der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse dienen soll dann ist die Trennung zwischen Care und Wirtschaft künstlich.
00:17:07: Eine Wirtschaft die Care ausblendet mag kurzfristig profitabel sein Aber sie erfüllt nicht, was sie verspricht.
00:17:15: Care muss wieder dahin, wo wir folgende Entscheidungen treffen Wie möchte ich als Mensch gelebt haben?
00:17:22: Möchte ich mir ein Leben ohne Fürsorge überhaupt leisten?
00:17:25: Wofür wollen wir als Organisation stehen?
00:17:28: Können wir als solche anerkennen das Produktivität auf Fürsorge beruht und entsprechend handeln?
00:17:34: Und welches Bild wollen wir Als Gesellschaft hinterlassen?
00:17:37: eine Gesellschaft von vereinsamten erschöpften Menschen, die zwar eine beeindruckende Wirtschaftsleistung hinlegen aber vergessen haben, füreinander da zu sein.
00:17:47: Oder eine Gesellschaft, die verstanden hat das ein Wohlstand ohne Fürsorge vielleicht gar kein Wohlstand ist.
00:18:04: Takeaways Erstens Ohne Kehrarbeit gibt es keine Wertschöpfung.
00:18:10: Kehr ist also nicht das was übrig bleibt sondern die strukturelle Voraussetzung dafür dass Wirtschaft überhaupt funktioniert.
00:18:18: Zweitens.
00:18:19: Wer Geld hat, kauft sich Care und Entlastung ein.
00:18:22: Wer mittellos ist, trägt die Last allein!
00:18:26: Drittens.
00:18:27: Caring-Communities zeigen Gemeinschaftliche Fürsorge ist möglich Es fehlt jedoch die politische und wirtschaftliche Anerkennung für Care als gesellschaftliche Grundversorgung.
00:18:39: Vielen Dank an unsere InputgeberInnen.
00:18:41: Liska Bolzhausen ist Co-Geschäftsführerin vom Verband Wirtschaftist Care
00:19:10: eV.
00:19:11: Ich bin's nochmal, Charlene.
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